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Aachen: Wunderschön duftig und fein musiziert

Aachen : Wunderschön duftig und fein musiziert

Mit der Präsentation von zwei ausgezeichneten Ensembles und einer Programm-Rarität klang der Zyklus der Meisterkonzerte im Aachener Eurogress aus.

Das Orchestre de Chambre de Geneve unter Leitung des jungen, offenbar hochbegabten Michael Hofstetter und der Tölzer Knabenchor boten unter anderem eine Gesamtaufführung von Felix Mendelssohns Musik zu Shakespeares „Sommernachtstraum”.

Eine Inszenierung des Stücks mit Mendelssohns Musik ist heute aus den verschiedensten Gründen kaum mehr möglich. So floh die herrliche Ouvertüre, dieser Geniestreich des 17-Jährigen, samt dem ihr qualitativ nahestehenden Scherzo in den Konzertsaal, während der allzu populäre Hochzeitsmarsch in die Gefilde der gehobenen U-Musik absank.

Mit bestechender Klangschönheit

Die hübschen, wenn auch nicht sonderlich bedeutenden beiden Frauenchöre und die Melodramen gerieten in Vergessenheit, aus der das Genfer Orchester sie nunmehr herausholen wollte. Die Schwierigkeit des Unternehmens besteht in dem nicht zu leugnenden Qualitätsgefälle zwischen der Ouvertüre samt Scherzo und allem Folgenden. Ausserdem bedürfen die musikalisch ziemlich belanglosen Melodramen eines Sprechers.

Er hieß hier Nikolaus Paryla und ließ es bei seinen Szenen nicht an schauspielerischer Lebendigkeit, ja Drastik, fehlen. Aber abgesehen davon, dass er nicht immer verständlich sprach, hatten die Szenen naturgemäss keinen durchgehenden Zusammenhang.

Probleme, die an dem hohen Rang der musikalischen Darstellung nichts änderten: Die Tölzer Sängerknaben mit zwei frisch und sehr kultiviert singenden Solisten lösten ihre relativ kleinen Aufgaben mit bestechender Klangschönheit. Und das Genfer Orchester bot eine wunderschön duftige, in den Bläsern intonationssaubere, farblich und dynamisch fein abgetönte, virtuose Wiedergabe von Ouvertüre und Scherzo. So lag, trotz der Besonderheit des zweiten Konzertteils, der musikalisch-substantielle Schwerpunkt des Abends im ersten Teil.

Mendelssohns gleichfalls selten zu hörende Ouvertüre „Das Märchen von der schönen Melusine” op. 32 mit ihrem romantischen Wellenspiel zu Beginn wurde konfrontiert mit Joseph Haydns Symphonie Nr. 96 D-Dur „Miracle”. Hofstetter nutzte für seinen Haydn in Sachen Phrasierung und Artikulation die Erkenntnisse der „Historisten”, hütete sich aber vor jeder Dogmatisierung und ließ die Musik beglückend frei atmen und flexibel ausschwingen. Die für Haydn charakteristischen dynamischen Kontraste wurde beherzt ausgespielt, wirkten aber nie steif und klobig. Ein Haydn, der die Fähigkeiten des Dirigenten wie die hohe Spielqualität seines Orchesters ins rechte Licht rückte. Viel Beifall.