Würselen: Würselener Künstler Albert Sous legt seine Autobiografie vor

Würselen : Würselener Künstler Albert Sous legt seine Autobiografie vor

Albert Sous gehört zu den Menschen, die kaum ein Stichwort brauchen, um Geschichten zu erzählen und wie aus einer kräftigen Quelle Erinnerungen sprudeln zu lassen. Der Würselener Künstler (83) hat auf seine Freunde gehört. „Schreib doch mal dein Leben auf“, hatten sie ihm immer wieder gesagt. Nun hat er es getan. Die Autobiografie, die zugleich eine Reise durch die Kunstszene der letzten Jahrzehnte ist, liegt vor.

„Prinzip Finderlohn“: Der Titel ist glattes Understatement, denn selbst wenn Sous für seine Kunst immer wieder gern „Fundstücke“, industrielle Materialien, genutzt hat, die zu einem anderen Zweck produziert und geformt worden waren, ist seine kraftvolle Formensprache doch das Ergebnis einer sehr persönlichen und ehrgeizigen Entwicklung.

Den Edelmetaller, Bildhauer und Goldschmied, über 50 Jahre lang verheiratet mit Ehefrau Susi, Vater von vier Kindern (Vera, Stefan, Susanne, Milos), Großvater von sechs Enkelkindern, prägt eine Leidenschaft für das Spiel mit Formen und Materialien, die bis heute nichts bändigen oder einschränken konnte.

Das Manuskript zur Autobiografie mit ihren rund 370 Seiten hat ihm dennoch Kopfzerbrechen bereitet. „Ich habe über ein Jahr gebraucht, bis es fertig war“, seufzt er. „Das ist länger als für jedes Kunstwerk, inklusive Planung und Bau.“ Selbst der 25 Meter hohe Turm, den er als künstlerisches Wahrzeichen für Aurich entworfen hat, war schneller fertig. Sous erzählt — und schreibt — mit Herzblut. Ja, alles ist wichtig, jede Kleinigkeit, jede Emotion, jeder Gedanke. Er steht dazu.

„Und deshalb habe ich alles mit der Hand aufgezeichnet“, versichert er im Gespräch mit unserer Zeitung und schüttelt wie zum Beweis lachend seine Rechte. Literatur ist es nicht, was er da geschaffen hat. Aber man kann seinen Freunden, die ihn ermutigt haben, nur Recht geben: Der Bericht über dieses vom Schaffen geprägte Leben ist ungewöhnlich, ehrlich und prall. Nein, Notizen hatte er kaum zur Verfügung. Ein Albert Sous kann auf eine „geheime Startaste“ drücken, schon geht es los. „Aber eben nicht am Computer, das hemmt mich, ich mag auch noch mein altes Handy“, lacht er.

Wie er all das geschafft hat, wie er zu einem der bekanntesten regionalen Künstler mit überregionalem Ruf werden konntet? „Gute Mitarbeiter, eine tolle Familie, die alles mitgemacht hat, interessante Menschen, die mich gefördert und erkannt haben“, sagt spontan der Mann, dessen Kugelbrunnen an der Aachener Adalbertstraße auf Postkarten verewigt ist, der eine silbrig glänzende Lokomotive vor den Westbahnhof gestellt hat, der aber auch zugleich wunderbar strenge Kirchenkunst schuf, die unter anderem der Kölner Kardinal Josef Frings bestellte, und Aufsehen erregenden modernen, vielfach preisgekrönten Schmuck entworfen hat — oft aus bizarrem Schrott und alltäglichen Materialien, aber auch aus reinem Gold oder Bronze. Das kann ein gewaltiges Kirchenportal sein oder ein Stühlchen aus Gold, das sich 144-fach zur Skulptur und zugleich zum magischen Mobiliar des himmlischen Jerusalem formiert.

Die Antike, eine tiefe Liebe zu Griechenland, aber auch der wache Blick für die Umwelt haben den geborenen Stolberger geprägt, der mit sieben Geschwistern aufwuchs. Er sah stets mehr als die anderen. Das Aachener Sammler-Ehepaar Peter und Irene Ludwig hat früh das Potenzial dieses Menschen und Künstlers erkannt, ihn stets ermutigt. „Von Peter Ludwig habe ich Pünktlichkeit gelernt“, erinnert sich Sous in seinem Buch. „Eine Minute zu spät, und die Begegnung war verdorben. Auch ich war bei Kunden immer pünktlich, das habe ich von Peter Ludwig gelernt.“

Mit dem Bau einer Kuppel aus grünlichen Flaschen in Würselen, wo er bis heute lebt, begann 1980 sein Kampf gegen bürokratische Engstirnigkeit. Den Mund wollte er nie halten, war stets ein sprachgewaltiger Freund spießbürgerlicher Entscheidungen, zugleich ein Freund von Visionen. Seit 1960 ist er Mitglied im Museumsverein Aachen. „Stadt und Region haben noch immer nicht verstanden, wie viele Künstler es hier gibt, welch ein Reichtum das ist“, sagt er unverblümt und ist jederzeit zum Streitgespräch bereit. In der Flüchtlingsarbeit sucht er die Begegnung — mit den Menschen, anderen Glaubensvorstellungen und Traditionen. „Und wir tanzen bei solchen Treffen“, strahlt er. „Ich tanze so gern.“

Nie zögerlich, nie ängstlich

Das Buch soll unter die Leute — aber er selbst will bei Lesungen nur still in der letzten Reihe sitzen. „Nach drei Worten kommen mir die Tränen“, versichert der Gefühlsmensch. „Zum Glück habe ich Helfer wie meine Enkelin Ana, die für mich liest.“ Das Buch — extrem reich ausgestattet mit Fotos aus den familiären Sammelalben — ist eine spannende Reise durch ein künstlerisch und privat turbulentes Leben. Albert Sous hat stets hart gearbeitet, Techniken erlernt und weiterentwickelt, kraftvoll Fantasien von bizarren Fabelwesen und andersartigen Räumen umgesetzt. Eins war nie sein Ding: zögern, etwas ängstlich unterlassen. Und deshalb gibt es jetzt sogar seine Autobiografie. Darüber staunt er selbst am meisten.

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