1. Kultur

Aachen: Wünsche, Hoffnungen und gefährliche Spiele im im Theater K

Aachen : Wünsche, Hoffnungen und gefährliche Spiele im im Theater K

Den vielleicht wichtigste Satz des Abends spricht keine Hauptfigur, er ist nicht einmal direkt Teil der Handlung: „Ihr dürft Euch alles vorstellen. Wir sind hier im Theater.“ Ismael Hawramy, die namenlose Erzählerfigur, unterbricht an Schlüsselpunkten des Stücks „Yann & Beatrix“ das aktuell im Theater K aufgeführt wird, die Handlung, animiert das Publikum zum Tanzen, zum Herunterreißen von Vorhängen oder versucht vergeblich Einfluss zu nehmen auf das, was auf der Bühne passiert.

Die frankokanadische Theaterautorin und Schauspielerin Carole Fréchette widmete sich 2002 mit dem Werk klassischen Themen: Wahrheit und Liebe, aber auch Rollenbilder und Wunschvorstellungen. „Yann & Beatrix“ ist ein bisschen Märchen, Drama, psychologisch-fesselndes Kammerspiel, es ist lustig, unheimlich, romantisch und verstörend zugleich. Beatrix (Svenja Triesch) hat auf der Suche nach der großen Liebe die ganze Stadt plakatiert und verspricht dem, der sie interessieren, rühren und verführen kann, eine hohe Belohnung.

Yann (Marvin Moers) ist, nach einer enttäuschenden Liebeserfahrung, professioneller Prämienjäger geworden. Er findet entlaufende Tiere, verlorene Gegenstände, verschwundene Kinder. Die versprochene hohe Prämie klingt lukrativ. Und mag der Zuschauer in der ersten Hälfte noch meinen, ein modernes Märchen vor sich zu haben, so sind die kleinen Details Zeugen dafür, dass irgendetwas nicht stimmt. Eindrücklich macht das vor allem die dritte Prüfung deutlich, in der Yann Beatrix verführen soll.

Mit einer LED-Diskokugel entsteht an der Decke der Halle im alten Tuchwerk ein wunderbares Farbenspiel, das Publikum wird eingehüllt in hämmernden Discobeat. Dann ein Stimmungswechsel, der Discobeat verstummt, eine ruhige, unheilverkündende und keineswegs romantische Musik setzt ein. Ein Vorbote dafür, dass Beatrix‘ Märchen nicht so funktioniert, wie sie sich das vorgestellt hat, dass all die Prüfungen nicht das Wahre hervorbringen.

Die Stimmung kippt. Aus der affektierten Erbin wird eine verstörte Frau. Yann flüchtet sich unter die Decke des Tuchwerks, aus dem Märchen wird ein Drama, an dessen Ende jeder Zuschauer seine Fantasie dazu benutzen kann, die Geschichte weiterzuerzählen. Theater eben. (Tickets beim Kundenservice des Medienhauses Aachen. Info auch telefonisch 0241/151155)