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Aachen: Wortreicher Protest für die Tageseinrichtungen

Aachen : Wortreicher Protest für die Tageseinrichtungen

Bleibt der katholische Kindergarten trotz akuter Sparzwänge im Bistum Aachen auch künftig ein Mittelpunkt der Kirchengemeinde? Auf diese Frage spitzt der Verband Katholischer Tageseinrichtungen (KTK) die Diskussion um den Konsolidierungsplan der Bistumsspitze zu.

Eindrucksvoll haben dazu am vergangenen Samstag mehr als 3000 Betroffene ihr Wort erhoben: Kinder, Eltern und Beschäftigte des Bistums demonstrierten auf dem Aachener Katschhof lautstark gegen Kürzungen im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit. Unter dem Motto „Zehn Prozent sind genug” waren die Teilnehmer am Vormittag vom Bendplatz über Markt und Klosterplatz bis auf den Katschhof marschiert.

Ihre Transparente klagten an: „Kinder sind keine Ungeheuer - sie zahlen Euch später die Kirchensteuer.” Sparen sei zwar notwendig, so die einhellige Meinung der Demonstranten, dürfe aber nicht auf Kosten von katholischen Kindergärten gehen.

„Gerade junge Familien finden über unsere Einrichtungen einen Weg in die Gemeinde”, erklärte KTK-Sprecher Dieter Genten aus Eschweiler bei seiner Ansprache auf dem Katschhof. Würden die Sparpläne der Bistumsleitung wie vorgesehen umgesetzt, blieben viele Kinder auf der Strecke, fürchtet der Pfarrer.

Bis zu 300 der 1071 im Bistum bestehenden Kindergartengruppen seien mittelfristig gefährdet. Nach einem Beschluss von Kirchensteuerrat und Bistumsspitze sollen die katholischen Kindergärten bis 2008 auf mehr als 32 Prozent ihrer Mittel verzichten, was einem Betrag von rund sechs Millionen Euro entspricht.

„Wer erzählt unseren Kindern demnächst noch von Jesus”, fragt Pfarrer Genten provokativ. In seiner Rede wendet er sich direkt an Bischof Heinrich Mussinghoff: „Lieber Herr Bischof! Wir stehen nicht hier, um jemanden persönlich anzugreifen. Wir wollen deutlich machen, dass es uns um die Zukunft der Kirche geht.”

„Kinder sind die Zukunft dieser Kirche”

Denn die katholische Kirche dürfe nicht den Bezug zu Kindern und jungen Familien verlieren. „Unsere Kinder sind die Zukunft dieser Kirche”, betonte Bettina Kurr, Sprecherin der Elterninitiative „Pro Kiga”. Gerade in Zeiten verstärkten Mitgliederschwundes müsse der Nachwuchs gefördert werden.

Genten sparte nicht mit Kritik an Landes- und Bundesregierung: „Der Staat lebt davon, dass wir uns als Kirche engagieren”. Um jedoch als verlässlicher Partner bestehen zu können, benötige die Kirche ein verlässliches finanzielles Polster. Schließlich stünden alleine im Bistum Aachen hunderte von Arbeitsplätzen auf dem Spiel.

Wie aber geht es nun weiter? Nach der großen Kundgebung hofft KTK-Sprecher Genten auf ein Einlenken der Bistumsleitung: „So eine Demo hat das Bistum Aachen bislang noch nicht gesehen.” Dieses „machtvolle Zeichen” sei jetzt nicht mehr zu ignorieren.