Aachen: Wortreicher Abend: Konzert „Einsteins Musicbox“ an der RWTH

Aachen : Wortreicher Abend: Konzert „Einsteins Musicbox“ an der RWTH

Nachdem Kazem Abdullah „Einsteins Musicbox“ im letzten Jahr einen dicken amerikanischen Akzent versetzt hat, blieb der kommissarische Generalmusikdirektor Justus Thorau diesmal im wiederum ausverkauften Audimax der RWTH dem europäischen Boden treu, allerdings in gesamteuropäischen Dimensionen von Russland bis Frankreich.

Das abwechslungsreich gestrickte Programm moderierten wie gewohnt Dramaturg Christoph Lang und Hochschul-Kanzler Manfred Nettekoven launig, wenn auch bisweilen etwas abschweifend.

Es ist immer interessant, die Musikbeiträge mit Gesprächen von Vertretern diverser Forschungsabteilungen der RWTH zu beleben. Allerdings blieben die Ausführungen diesmal sehr abstrakt. Da wäre eine der Konzentration auf einige wenige Gesprächsrunden sicher sinnvoller.

Im wahrsten Sinne des Wortes festlich ging es los mit Dmitri Schostakowitschs „Festouvertüre“, die anlässlich des 37-jährigen Jubiläums der Oktoberrevolution entstanden ist. Die Einstellung des Komponisten zur Politik seiner Heimat verraten etliche ironische Anspielungen, die Thorau und das mit Schwung aufspielende Aachener Sinfonierochester deutlich hören ließen. Deutlicher jedenfalls als in Johannes Brahms’ „Akademischer Festouvertüre“, die mit ihren Studentenliedern und ihrem für Brahms untypischen Beckengeschepper den verstaubten Talaren der ehrwürdigen Professoren eine Nase dreht.

Von den augenzwinkernden Anspielungen war in der sehr strengen Interpretation Thoraus allerdings nur wenig zu spüren. Entschädigt wurde man dafür durch die präzise und sehr informative Vorstellung der vier Studentenlieder, die Brahms in sein kleines Meisterwerk einbaute.

Schade, dass man die Studenten anschließend mit dem italienischen Text der Register-Arie aus Mozarts „Don Giovanni“ allein ließ. Der Witz und die geniale Charakterisierungskunst Mozarts blieben den Hörern so verborgen, auch wenn der Bariton Rein Saar, der diesjährige Stipendiat der Theaterinitiative Aachen, mit besten Kräften versuchte, das Kabinettstückchen so lebendig wie möglich zu gestalten. Der Werbeeffekt für die im Februar anstehende Neuproduktion der Oper am Aachener Theater dürfte sich allerdings in Grenzen halten.

Mit der Register-Arie und dem Auftrittslied des Vaters aus Humperdincks „Hänsel und Gretel“ suchte sich der junge, noch studierende Bariton zwei Rollen aus, die ihm große Gestaltungsmöglichkeiten bieten.

Mozart war noch mit der „kleinen“ Symphonie in g-Moll KV 183 vertreten. Ein ungewöhnlich schroffes, wenig charmantes Werk, das eine pointiertere Phrasierung vertragen könnte. Ein langer, etwas wortreicher Abend.

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