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Aachen: Wohnseifer in Aachen: Magersucht und Autorennen

Aachen : Wohnseifer in Aachen: Magersucht und Autorennen

Was haben Magersucht und Formel-1-Rennen gemeinsam? Durchaus mancherlei! Der Kölner Künstler Johannes Wohnseifer (36), ein gehätscheltes Kind der aktuellen Kunstszene, widmet sich im Aachener Ludwig Forum mit einem mehrere Räume füllenden Environment diesem mitunter Tod bringenden Syndrom aus Rausch, Wahn und Sucht.

Korrespondierend dazu zeigt der Neue Aachener Kunstverein (NAK) - erstmals abgestimmt mit seinem „Nachbarn” Ludwig Forum - eine andere Arbeit Wohnseifers, neben der Dokumentation eines künstlerischen Projekts von Daniel Roth.

Der bis zum Wahnwitz getriebene Drang nach Perfektion, heldenhafte Selbstüberwindung und falsche Wahrnehmungen bei Höchstgeschwindigkeit oder dem Blick in den Spiegel: Interessiert an einem für ihn offenbar zutiefst faszinierenden und abstoßenden Phänomen zugleich, nähert sich Wohnseifer auf jede erdenkliche künstlerische Weise den Erscheinungen von Autorennen und Essstörungen, den Motiven, Gefahren und Begleitumständen einer - womöglich krankhaften - Sehnsucht, die im schlimmsten Fall zum Tode führt.

Wohnseifer präsentiert mit Malerei, Fotografie, Skulptur und Film ein „assoziatives Geflecht” (Forums-Chef Harald Kunde) zum Thema. Werbebilder der Kosmetikindustrie dokumentieren den „Terror der ästhetischen Norm”, der manches Mädel nur mit Fressbrechen näher kommt. Durchlöcherte Spiegel umschreiben die falsche Selbstwahrnehmung und die Aggression gegenüber dem eigenen Ich.

Auf der anderen Seite erinnern Fotografien aus dem Leben des Rennfahrers Peter Revson an eine tragisch geendete einschlägige Karriere. Das Ganze steht unter dem Motto „Into the Light”. Licht am Ende des Tunnels spielt eine wichtige Rolle in der Arbeit als zentrale Metapher für jene entscheidende Frage: Worin nur mag der Sinn all dieses Strebens nach Idealen von Sieg, Geschwindigkeit und Ästhetik liegen?

Im NAK spürt Wohnseifer einem so legendären wie geheimnissumwitterten Bund von Mächtigen nach, einer Elite aus Militär, Wirtschaft und Politik, die sich zum ersten Mal 1954 im Hotel Bilderberg bei Arnheim traf, und seither regelmäßig Jahr für Jahr zusammenkommt. Henry Kissinger gehörte dazu, aufstrebende Politiker wie Tony Blair und Bill Clinton wurden immer wieder eingeladen und - o Wunder - auf einmal machten sie Karriere . . .

Wohnseifers Phantasie ist ein Raum entsprungen, von dem aus die Welt regiert wird - gewissermaßen als Teil einer Verschwörungstheorie. Eine absurde Vorstellung und zugleich durchaus reale Möglichkeit, der Wohnseifer Ausdruck gibt in einer Kletterlandschaft für Kinder - der Spielplatz als globale Realität.

Der Karlsruher Künstler Daniel Roth zeigt parallel dazu im NAK Dokumente seines Projektes „Zeitpassagen Dr. Dräcker”. Dabei geht es um jenen fiktiven Ministerialdirigenten Dr. Edmund Friedemann Dräcker, der als Phantasieprodukt über Jahre in deutschen Diplomatenkreisen kursierte. Daniel Roth erzählt seine Geschichte in Form seiner vermeintlichen „Spuren”, zum Beispiel Aktenordner mit Geheimfach . . .

Die Werke Wohnseifers und Roths im NAK sind Auftragsarbeiten jener 24 Kunstsammler des NAK, die unter dem Namen „Twodo Collection” firmieren. Die bisher zusammengetragenen Objekte befinden sich in den Haushalten der Sammler. der NAK lädt am kommenden Sonntag um 10 Uhr zu einer Besichtigungstour ein, Anmeldung erbeten, Tel: 0241/503255.