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Detmold: Wo sind die römischen Legionen untergegangen?

Detmold : Wo sind die römischen Legionen untergegangen?

Bis 2009 ist es zwar noch etwas Zeit - doch das Jubiläumsjahr zum 2000. Jahrestag der Varusschlacht sorgt schon jetzt für Diskussionen über die historische Faktenlage. Nach dem Bekanntwerden neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse ist ein Streit darüber entbrannt, ob die Schlacht im Teutoburger Wald wirklich bei Kalkriese nahe Osnabrück stattgefunden hat.

Vor allem Geschichtsinteressierte aus dem Kreis Lippe zweifeln an, dass auf dem Grabungsfeld in Kalkriese wirklich die Überreste des Waffengangs von 9 nach Christus gefunden wurden, bei dem drei römische Legionen von dem Cheruskerfürsten Arminius (Hermann) vernichtend geschlagen wurden. Deshalb wurde auch zwischenzeitlich die Forderung erhoben, dass sich Kalkriese nicht mehr als „Ort der Varusschlacht” bezeichnen darf.

Der Verein Arminiusforschung forderte den niedersächsischen Landtag auf, auf die Jubiläumsfeierlichkeiten „2000 Jahre Varusschlacht - Imperium, Konflikt, Mythos” im Jahr 2009 zu verzichten. Da nach den jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnissen feststehe, dass die Schlacht nicht in Kalkriese bei Osnabrück stattgefunden habe, könne dort dieses Jubiläum auch nicht gefeiert werden, sagte der Vereinsvorsitzende und CDU-Abgeordnete im Düsseldorfer Landtag, Heinrich Kemper.

In Kalkriese habe es unbestritten eine Schlacht zwischen Römern und Germanen gegeben, heißt es in dem Blatt weiter. Doch diese Schlacht habe Jahre nach der Varusschlacht anlässlich der Rachefeldzüge des römischen Feldherrn Germanicus getobt.

Im Hinblick auf das Jubiläumsjahr 2009 müsse daher der Kooperationsvertrag zwischen dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Römermuseum Haltern), dem Landkreis Osnabrück, der Varus-GmbH, dem Landesverband Lippe und dem Kreis Lippe neu gefasst werden.

Wenn die Varusschlacht im Teutoburger Wald in der Region Lippe stattgefunden habe, müssten Forschung und Ausgrabungen im Regierungsbezirk Detmold bis 2009 vorangetrieben werden, sagte Kemper.

Er verweist auf Münzen, die bei den Ausgrabungen in Kalkriese entdeckt wurden. Diese stammten aus dem Jahr 9 nach Christus. Es sei unwahrscheinlich, dass in den abgelegenen Provinzen des römischen Reiches schon zu diesem Zeitpunkt solche Münzen kursierten.

Zudem wurden so genannte Spitzgräben als Indiz dafür angeführt, dass es sich bei den archäologischen Funden in Niedersachsen nicht um Relikte einer Schlacht, sondern eines römischen Marschlagers handelt.

An dem Projekt zum 2000. Jahrestag der Varusschlacht sind mehrere Partner beteiligt, darunter auch der Kreis Lippe, in dem das 1875 eingeweihte Hermanns-Denkmal steht, sowie die „Varusschlacht im Osnabrücker Land GmbH - Museum und Park Kalkriese”.

Dass der historische Ort bei Kalkriese liegt, darüber ist sich der Geschäftsführer der Varusschlacht-GmbH, Joseph Rott-mann, sicher. Sein Museum arbeite mit Wissenschaftlern zusammen, die in der Mehrheit die These unterstützten, dass die Schlacht bei Kalkriese stattfand.