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Kerkrade: Wo der Briefkasten vier Beine hat

Kerkrade : Wo der Briefkasten vier Beine hat

Das Vorzeige-Industriemuseum der Region, das Industrion in Kerkrade, wird sich komplett verändern: Derzeit entsteht für knapp drei Millionen Euro ein 1500 Quadratmeter großer Anbau für Wechselausstellungen, der im Sommer mit einer Schau über jahrhundertealte Techniken aus China eröffnet werden soll.

Nach dieser Eröffnung entsteht in dem alten Bau eine komplett neue Dauerausstellung, in der sich Elemente der bisherigen interaktiven Schau zur regionalen Industriegeschichte wiederfinden werden. Die Museumsmacher wollen aber neben der Technik künftig der Wissenschaft zusätzlichen Raum einräumen.

„Eine Veränderung wird nach zehn Jahren einfach Zeit”, betont Carola van´t Hof, Sprecherin des Industrion. Die alte Dauerausstellung ist bereits demontiert. An ihrer Stelle sind bis zum Sommer drei verschiedene Ausstellungen zu sehen, von denen zwei den gewohnten Qualitätskriterien des interaktiven Museums genügen: „Daniel Düsentrieb - Der Erfinder” und „Discovery Zone” (Entdecker-Zone).

„Copyright Nature” dagegen, die eigentlich seit Oktober erklären will, was sich die Wissenschaft von der Natur abgeschaut hat, funktioniert einfach nicht: Die Wanderausstellung ist abgenutzt, viele Mitmach-Elemente sind defekt oder stehen in einem unverständlichen Zusammenhang zum Thema, und die Aneinanderreihung von Stellwänden ist für übliche Industrion-Verhältnisse ärgerlich uninspiriert.

Fliegenklatschen

Jetzt aber sind dieser Ausstellung zwei weitere zur Seite gestellt worden, die vom Haus oder speziell fürs Haus entwickelt wurden. Der Nachbau des knatschbunten, windschiefen Daniel-Düsentrieb-Hauses empfängt den Besucher. Im „Garten” stehen die Nachbauten der Comic-Erfindungen, die im Künstlerdorf Schöppingen entstanden sind: ein Fliegenklatschen-Roboter mit vier Armen, ein Briefkasten mit Beinen, ein Fahrrad mit einem Rasenmäher als Vorderrad. Im Stil des Hauses schließt sich die Düsentrieb-Erfinderwerkstatt an, in der jeder den Erfinder in sich entdecken und mit Zahnrädern, Robotern, Kurbelwelle, Seilzügen oder Gefällen arbeiten kann.

Charmant ist die Überleitung zur „Discovery Zone”: Unter einer Bildergalerie altehrwürdiger Erfinder von Einstein, Edison & Co findet sich eine Galerie von Klopapier, Wäscheklammern oder Klebeband - Gegenständen, die uns jeden Tag mehrfach in die Hände fallen, deren Erfinder uns aber wohl erstmals begegnen. Oder wussten Sie dass der Beutel für den Tee durch Zufall von dem New Yorker Teehändler Thomas Sullivan erfunden wurde, weil ihm die althergebrachten Zinndosen als Transportmittel einfach zu teuer wurden -Êund die Empfänger nicht wussten, dass sie den Beutel vor Gebrauch entfernen sollten?

An den 20 Experimentierstationen wird jeder zum Forscher, lässt Gegenstände fließen, dreht eine Runde auf einem Fahrradflugzeug oder erkennt, dass auch der genetisch „perfekt” geschaffene Mensch lernen muss, in der Gemeinschaft zurechtzukommen. Der aktive Besuch in der „Discovery Zone” lehrt einen mehr über Kommunikation, Energie, Kräfte, Logistik und Genetik. Und das alles, in dem man es einfach selbst ausprobiert. Das ist die Handschrift des Industrions.

Infos und Neues

Die Daniel-Düsentrieb-Ausstellung und die „Discovery Zone” mit 20 Experimentierstationen laufen bis zum 1. Juni 2008. Das Industrion, Museumsplein 2 in Kerkrade, 0031/45/5670809 ist von dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Am 1. Weihnachtsfeiertag und Neujahr ist geschlossen.

Der Eintritt beträgt 4 Euro. Neu ist eine Entdeckungsreise durch das Museum für Sechs- bis Neunjährige. Für 45 Cent erhalten die Kinder an der Kasse einen Magnetschlüssel, mit dem sie 13 Kisten in der Ausstellung mit speziellen Aufgaben öffnen können.