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Aachen: „Winterabend”: Große Themen in der kleinen Kneipe

Aachen : „Winterabend”: Große Themen in der kleinen Kneipe

„Er erzählt von Menschen, die von den Erfahrungen des Krieges, den Verheerungen der Erziehung, vom alltäglichen Verrat und der Unfähigkeit, sich zu verständigen, gequält sind.”

So lautete die Begründung der Jury im März dieses Jahres, als Hugo Claus auf der Leipziger Buchmesse für sein Gesamtwerk mit dem „Buchpreis zur Europäischen Verständigung” ausgezeichnet wurde.

Der 1929 in Brügge geborene, Prosaschriftsteller, Lyriker, Dramatiker, Maler Film- und Theaterregisseur ist einer der bedeutendsten Autoren Belgiens.

Das Theater Aachen bringt jetzt als deutsche Erstaufführung sein 1991 in Amsterdam uraufgeführtes Stück „Winterabend” heraus. Die Premiere geht am Freitag, 10. Oktober, um 20 Uhr in den Kammerspielen über die Bühne.

Schauplatz ist eine belgische Vorstadtkneipe, in der sich eine ältere Dame, Frau De Vos (Petra Welteroth), mächtig alkoholisiert einfindet, um hier ihren Geburtstag zu feiern.

Das passt ihrem Sohn José (Daniel Drewes) ganz und gar nicht, und so brechen die schwelenden Konflikte zwischen Mutter Sohn in der Konfrontation mit den anderen illustren Kneipengästen munter auf.

Den Kern des Stücks erkennt Regisseur Sascha Bunge im Tod, der ganz buchstäblich und unmittelbar die schwerstkranke Hauptfigur bedroht und sie motiviert, noch einmal auf das eigene Leben zurückzublicken, andererseits im Auseinanderbrechen sozialer Beziehungen.

„Die zweite Ebene ist das Milieu, die heruntergekommene Kneipe.” Wobei die spezifisch belgische Ausprägung einer Kaschemme eher die geringere Rolle spielt, wie Bühnenbildnerin Constanze Fischbeck versichert.

Ihr geht es mehr die Atmosphäre eines Raums, der bereits in seiner Erscheinung allgemein so etwas wie mangelnde Substanz und Provisorium signalisiert.

„Alle großen Themen aus Hugo Claus Romanen, sind in den Figuren wie durch ein Brennglas betrachtet vorhanden”, meint Dramaturg Lukas Popovic, „nur nicht so dick aufgetragen”.

Bunge: „Was man bei den Figuren an biographischem Material vermisst, stellt sich in deren Umgang miteinander dar.” Die Vorstellung dauert 80 Minuten.