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Hückelhoven: Windräder: Familie kämpft seit acht Jahren

Hückelhoven : Windräder: Familie kämpft seit acht Jahren

Es ist ein Sieg. Aber richtige Freude will bei Gertrud Grittern nicht aufkommen. „Wir haben das Vertrauen verloren”, sagt die Frau ernüchtert. Zu oft wähnte sich die Familie schon auf der Zielgeraden.

Doch jetzt hat der Bundesgerichtshof entschieden: Zwei von vier Windrädern vor ihrer Haustüre müssen wegen der Geräuschkulisse in der Nacht abgeschaltet werden. Nach einem acht Jahre währenden Klageweg ist das der Familie zu wenig. Alle Windräder sollen weg.

„Ich werde nicht alt hier, wenn die stehen bleiben”, sagt die Landwirtin. Gertrud und Klaus Grittern wohnen mit ihren beiden Kindern in ländlicher Idylle auf ihrem Aussiedlerhof bei Hückelhoven-Brachelen. Die Familie verdient ihr Geld mit Ackerbau und Bullenmast. Den „Schlehenhof” hat sie Anfang der 90er Jahre gebaut.

„Man wohnt hier traumhaft. Zwei Jahre war es toll”, sagt Gertrud Grittern - bis der Nachbar 1996 vier Windräder baute: 85 Meter hoch, das nächste Windrad 270 Meter vom Wohnhaus entfernt. Es begann für die Familie ein Kampf, den sie selbst als „Kampf gegen Windmühlen” bezeichnet. Acht Jahre lang hat sie mit Gutachtern, gegen Behörden und vor Gericht gegen die Windräder gestritten.

Der Bundesgerichtshof hat jetzt entschieden, dass in der Nacht zwei Anlagen abgeschaltet werden müssen, weil sie den Grenzwert von 45 Dezibel überschreiten. Für die Familie ist das eher ein moralischer Sieg. „Das ist, als würde Tag und Nacht die Waschmaschine oder der Trockner laufen”, beschreibt Gertrud Grittern die Geräuschkulisse. Selbst jetzt, wo zwei Windräder in der Nacht abgeschaltet werden, findet sie nur schwer Nachtruhe. Deshalb bleiben die Fenster im Schlafzimmer zu. Die Freude an Garten und Terrasse ist getrübt.

Die Familie hat sich früher nicht träumen lassen, dass sie Windräder einmal so erbittert bekämpfen wird. „Wir hatten eine positive Einstellung dazu. Wir haben selbst sogar mal mit dem Gedanken gespielt, ein Windrad zu bauen. Wir haben uns aber auch nicht vorgestellt, was das bedeuten kann”, bekennt die Frau. Verkaufen und Wegziehen ist vorerst kein Thema: „Das ist schließlich unsere Existenz.” Deshalb lassen sie und ihr Mann nicht locker.

Eine Klage gegen die Baugenehmigung liegt beim Verwaltungsgericht Aachen. Der Betrieb hätte nicht gestattet werden dürfen, da er eine unzumutbare Beeinträchtigung darstelle, sagte Anwalt Hans-Peter Weber. „Die Anlagen stehen einfach zu dicht dran.” Die Genehmigung sei in der Pionierphase von Windrädern erteilt worden. „Heute würden Anlagen in dieser Nähe nicht mehr genehmigt.”