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Aachen: Wie Woody Allen in besten Tagen: „Gebrüllt vor Lachen” im Mörgens

Aachen : Wie Woody Allen in besten Tagen: „Gebrüllt vor Lachen” im Mörgens

Wer soll eigentlich nicht neurotisch-depressiv werden in einer Zeit, in der bereits Haarshampoo Lustgefühle, Joghurt familiäre Harmonie und Tomatensuppe ewige Hochstimmung versprechen?

Wo bleibt noch Platz für schlechte Laune, Schwäche, Unlust angesichts all der fröhlichen Grinsebären rundum? Wer „schlecht drauf ist”, gibt sich am besten gleich die Kugel...

Davon in etwa handelt „Gebrüllt vor Lachen”, ein skurril-witziges Zwei-Personen-Stück des Broadway-Autors Christopher Durang, das jetzt Premiere im Mörgens feierte.

Eine Frau und ein Mann repräsentieren auf roter Couch vor großstädtischer Lichterkulisse all jene Zeitgenossen, bei denen weder die Heilswirkung der Faltencreme noch der Persönlichkeits-Workshop oder das Psychoseminar den totalen Positivtrip ausgelöst haben.

Ein Thunfischregal im Supermarkt hat sie zufällig zusammengeführt. In aufeinanderfolgenden Monologen geben sie ihr ungeahnt ähnliches Seelenleben und die jeweilige Sichtweise ihres „Zusammenstoßes” und äußerst überraschende „Kreuzungen” ihrer jeweiligen Schicksale zum Besten - grandios gespielt von den beiden jungen Darstellern des Theaters Aachen Cornelia Dörr und Laurens Walter, gelungen inszeniert von Roland Riebeling.

Verklemmt bis zum Wahnsinn, neurotisch wie Woody Allen in seinen besten Tagen ergeht „sie” sich in kuriosen Selbstzweifeln und komischsten Befragungen ihrer Wirkung auf andere, erzählt von absurden Gründen ihrer Schlafstörungen und grotesken Motiven ihrer Selbstmordphantasien.

All das wirkt in ihrer vollkommenen Überspanntheit und dem blanken Hass auf alles Glücklichsein tatsächlich wie zum „Brüllen vor Lachen” - allerdings mit dem Zusatz aus dem kompletten Zitat aus Samuel Becketts „Glückliche Tage”: „inmitten allerheftigsten Leids”.

Wenn Selbstzweifel jeden anderen Lebenssinn verdrängen, hält sich das Lachen darüber am Ende schwer in Grenzen.

„Er”, das Pendant, fühlt sich ständig von Frauen geschlagen, hält jedes halbvolle Glas für halbleer und findet trotz aller Psychokurse und -therapien nicht zu Harmonie und Sinn in seinem Leben.

Abstrus und urkomisch zwingen ihn die seelischen Nöte zu absonderlich komischsten Schlüssen und Sichtweisen.

Erstaunlich, wie leicht und doch wie intensiv Cornelia Dörr und Laurens Walter hier mit höchst vergnüglich selbstironischer Note die Abgründe extrem zugeschnittener und doch ganz typischer Existenzen unserer Zeit bloßlegen - deren einzelne Schattierungen einen überaus hohen Wiedererkennungswert haben. Allein die unsicheren Blicke Cornelia Dörrs und das joviale Grinsen Laurens Walters sprechen Bände.

Den beiden spannenden Monologen folgt eine überdrehte Traum-Show-Sequenz, angesiedelt in der Situation einer Fernseh-Talkshow, die einzelne Motive noch einmal ins absolut Groteske wendet, aber bis zum Ende der 75 Minuten kaum mehr nennenswerten Gewinn abwirft. Kein Fehler der Darsteller, eher ein Manko des Stücks. Das Premerenpublikum klatschte kräftig Beifall.