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Düsseldorf: Wie Rum auf nüchternen Magen

Düsseldorf : Wie Rum auf nüchternen Magen

In den nächsten drei Wochen sollten sich Tanzschulen auf eine große Nachfrage einrichten, was Tänze aus Lateinamerika angeht.

Schuld daran sind Hilda, Paula und Aniuska, Luis, Joel und Alejandro; ihre beweglichen Hüften, ihre kreiselnden Becken und das hinreißende Spiel ihrer wohltrainierten Muskeln und der von zwölf weiteren jungen Tänzerinnen und Tänzern aus Kuba.

Jetzt ist „Lady Salsa” in Düsseldorf angekommen und hat der Stadt ihren unerhört feurigen Stempel aufgedrückt. Die Show rund um Kuba, um rassige Frauen, reizende Mannsbilder und tolle Musiker, um Hits, Historie und Histörchen, Indianer, Kariben und Spanier, Sklaven, Revolutionäre und Showgirls, religiösen Kult, Promi-Glamour und 50er Jahres-Nostalgie hat eingeschlagen wie ein doppelter Havanna-Club-Rum auf nüchternen Magen.

Kein Wunder, denn die Party, die (mit Pause) zwei mal 45 Minuten lang tobt, präsentiert heiße Erotik in scharfer Sauce. Viel nackte Haut - appetitlich anzusehen für beide Geschlechter - in knallengen, glitzernden Kostümen: Verschwitzter Satin und wippende Fransen, Höschen, die selbst diese Verniedlichung Lügen strafen, und entzückende Einblicke, die man nie wieder missen möchte.

Von Mambo, Cha Cha Cha und Rumba, Salsa, Son und Timba lassen sich auch all jene anstecken, denen die Clubmitgliedschaft im Buena Vista Rhythmus Club nicht an der Wiege gesungen wurde - in den besten Momenten der Show rund um die Republik mit dem roten Stern kann man erleben, wie Pädagogentrupps aus Oberbilk, Bankerinnen aus der City oder hartgesottene Altstadt-Bewohner zeigen, dass auch in der rheinischen Brust ein heißes, kubanisches Herz schlägt.

Wer die Story nicht kennt - eine große Künstlerin erinnert sich an ihre Jugend, ihre Armut und ihren Aufstieg im Kuba der 50er Jahre - hat im ersten Teil zwar Mühe, dem zu folgen, aber das macht der zweite Teil - in dem wesentlich mehr erklärt wird - dann wieder wett.

„Lady Salsa”, eine Arbeit, die der schottische Regisseur Toby Gough vor vier Jahren beim „Edinburgh Fringe Theatre Festi-val” vorstellte, verschweigt zwar die heutigen Verhältnisse in Castro-Country, entwickelt dafür aber den Charme einer eruptiven Massen-Animation in einem Club, für den man weder ein All-Inclusive-Angebot buchen noch einen Flieger besteigen muss.

Wer es in den nächsten drei Wochen nicht schafft, dafür nach Düsseldorf zu fahren, hat anschließend eine weitere Gelegenheit in Köln.

Dort gastiert „Lady Salsa” im Anschluss, vom 8. bis zum 24. Juli, im Schauspielhaus.