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Düsseldorf: „Wie, hier gibts nur Kölsch und kein Alt?”

Düsseldorf : „Wie, hier gibts nur Kölsch und kein Alt?”

Es ist ein ungeschriebenes Gesetz. Fragt man in einer der über 260 Kneipen in der Düsseldorfer Altstadt nach einem Bier, bringt der Kellner ein Alt. Natürlich gibt es auch Kölsch und Pils. Doch die Regel an der viel besungenen längsten Theke der Welt ist und bleibt „dat leckere Dröppke”. Basta.

Und dann so was. Da öffnet diese Bar in der Düsseldorfer Altstadt und bricht ganz einfach mit der Norm. Hält sich nicht an die unausgesprochene Regel der Szene. Denn nach dem dunklen, obergärigen Getränk sucht der Gast in „Jase Livingbar” am Burgplatz umsonst. Von den Altbier-Sorten Diebels, Gatzweiler, Frankenheim oder Schumacher keine Spur. Neben Cocktails, Whiskey und den üblichen Longdrinks ist der einzige bestellbare Gerstensaft Sion Kölsch. Autsch.

Flüssiger Seitenhieb

Den Gästen scheint dieser flüssige Seitenhieb nichts auszumachen. „Die Reaktionen sind unterschiedlich”, erklärt Jase-Mitarbeiter Jochen Stather. „Einige freuen sich, andere sind da eher klassisch düsseldorferisch.” Die würden dann auch direkt fragen „Wie, hier gibt´s nur Kölsch?” So mancher Kneipengänger hätte sich auch schon auf den Hacken umgedreht. Doch langsam würden sich die Kunden anpassen.

„Bei einigen habe ich den Eindruck die bestellen Kölsch, weil sie denken, die machen was Verbotenes”, erklärt Stather und schüttelt mit dem Kopf. Er selbst bevorzugt übrigens auch den hellen Gerstensaft. „Von Alt kriege ich Magenkrämpfe.” Hinter dem Kölsch-statt-Alt-Spektakel steckt weder Willkür noch eine besondere Vorliebe der Bar-Betreiber Torsten te Paß und Howie Karimie.

Viel mehr ginge es um mangelnde Barkultur in der Landeshauptstadt. „Wir leisten Entwicklungshilfe”, erklärt te Paß selbstbewusst und haut direkt noch einen drauf. „Hier weiß man nicht, was eine richtige Barkultur ist.”

Keine Kegelklubs

Für den 30-Jährigen besteht gute Barkultur aus einer schick-trendigen und gediegenen Atmosphäre, bei der man zum feiern Martini, Whiskey oder ein gutes Bier trinkt. In der sich Frauen keine Sorgen machen müssen, von schmierigen Männern belästigt zu werden. Das Interior des Ladens fügt sich nahtlos in dieses „Lebensgefühl”, wie te Paß es beschreibt, ein. Statt robuster Holztische und bekritzelter Toiletten besteht das Jase aus Ledersesseln, champagnerfarbenden Wänden und einer 22 Meter langen Theke aus Mahagoniholz. Das Schild „Keine Kegelclubs und Fußballvereine” vor der Tür weist potenzielle Pöbelkunden direkt in die andere Richtung. Ein Türsteher sorgt dafür, dass sich keiner reinschummelt.

Altbier würde in dieses Ambiente so gar nicht passen, behauptet te Paß. Zu sehr erinnere es an verrauchte Kneipen, Junggesellenabende und schlechte Manieren. Kölsch wäre da angemessener. „Weil es in einem zierlichen Glas ausgeschenkt wird, verbinden die Leute mit Kölsch, das es ein eleganteres Getränk ist”, so te Paß. Kölsch wäre schlichtweg elitärer.

Laut sollte er seine Meinung aber nicht sagen, sind doch die traditionellen Hausbrauereien wie Uerige und Füchschen nur einen Steinwurf weit entfernt. Und das ist auch gut so.

Alte Traditionen

Hat man vom Kölsch genug, kann man sich dort an einen robusten Holztisch setzten, sich von einem rotzigen Köbes das Alt vor die Nase knallen lassen (Düsseldorfer Art, nicht bös gemeint), und in aller Ruhe zuschauen, wie der Kegelclub aus Essen den Junggesellenabschied eines Kameraden feiert. Und dabei vielleicht feststellen, das alte Traditionen auch ihren Reiz haben.