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Aachen: Wie Firmen Bewerber in die Mangel nehmen

Aachen : Wie Firmen Bewerber in die Mangel nehmen

Man nehme acht bis zwölf Hochschulabsolventen, drei bis fünf Tage Zeit sowie eine knallharte Jury. Dann simuliere man einen hektischen Arbeitsalltag und beobachte die Kandidaten. Zwischendurch werden knifflige Fragen zu Wissensstand und Charakterstärke gestellt. Was die Kandidaten dort vielleicht noch an Schwächen verbergen konnten, kommt spätestens beim Interview ans Licht, wenn die Jury sie mittels ausgefuchster Fragetechnik in die Enge treibt.

Wer bis zum Schluss die Nerven behält und die Konkurrenz gekonnt aussticht, gewinnt.

Was wie das Skript einer TV-Show aussehen mag, ist in vielen deutschen Firmen schon seit den siebziger Jahren eine gängige Methode, qualifiziertes Personal für Leitungs- und Führungspositionen auszusieben. „Assessment Center”, kurz: AC, heißt der mehrtägige Methodenmix, der so manch ambitionierten Bewerber das Fürchten lehrt. Doch nicht nur künftige Abteilungsleiter müssen sich prüfen lassen.

In den meisten Unternehmen verlassen sich die Personalchefs bei der Auswahl zum Beispiel von Auszubildenden mehr auf das Ergebnis eines mehrstündigen Einstellungstests als auf den ersten Eindruck aus dem Vorstellungsgespräch. Je nach Branche und Job werden in unterschiedlichen Verfahren Persönlichkeit, Intelligenz, Konzentrationsfähigkeit, Wissen oder die Sportlichkeit getestet.

Das Gute: Man kann sich auf diese Ausnahmesituation einstellen. Zahlreiche Bücher zeigen ihren Lesern, wie sie Intelligenztests klug meistern und sich nicht mehr irritieren lassen von unvollständigen Zahlen- und Wortreihen. Oder Fragen wie: Welcher Tag war vorgestern, wenn der Tag nach übermorgen zwei Tage vor Dienstag liegt? Auch Persönlichkeitstests lassen sich knacken. Wer häufiger in Frauenzeitschriften blättert, kennt das Prinzip: Bei so genannten Psychotests à la „Was für ein Freizeit-Typ bin ich?” werden Situationen beschrieben und Reaktionsmöglichkeiten zur Wahl gestellt.

Die angekreuzten Antworten verraten am Ende, ob Sie eine langweilige Couch-Potatoe sind, oder ein aktiver, lebensbejahender Mensch. In der Regel durchschaut der Leser spätestens nach Frage zwei, was er ankreuzen muss, um am Ende möglichst gut dazustehen. Persönlichkeitstests im Bewerbungsverfahren funktionieren ähnlich. Auch hier wollen die Personalchefs wissen, was für ein Typ Sie sind. Und Sie haben es in der Hand, wie Sie rüberkommen.

Wen zum Beispiel beim Anblick einer Spinne stets das blanke Entsetzen packt, sollte während des Tests seine Ängste vergessen. Geben Sie lieber an, das Tierchen beherzt an den Beinen zu packen. Doch Vorsicht: Wer sich allzu heroisch darstellt, wirkt unglaubwürdig. Lieber die eine oder andere harmlose Schwäche gestehen: Klar haben Sie als Kind ihrer großen Schwester schon mal ein paar Süßigkeiten gemopst. Das ist immerhin auch schon verjährt. Morgen an dieser Stelle mehr zum Thema.