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Aachen: Wie Feuerzungen des Heiligen Geistes

Aachen : Wie Feuerzungen des Heiligen Geistes

Ein Juwel der regionalen Musikkultur soll zu ihrem festen Bestandteil werden: Jedes Jahr wird am Pfingstmontag in Aachen eine Bruckner-Komposition aufgeführt.

Das zumindest hat sich Generalmusikdirektor (GMD) Marcus R. Bosch fest vorgenommen. Nach der Achten Symphonie des österreichischen Spätromantikers wird jetzt am 31. März (11 Uhr) in der Aachener Kirche St. Nikolaus an der Großkölnstraße die Siebte aufgeführt.

Wie bereits im vergangenen Jahr, so wird auch in diesem Jahr die Aufführung für die Pressung auf CD aufgezeichnet und über die Geschäftsstellen des Zeitungsverlags vertrieben. Für umfassende Unterstützung sorgt - wie schon 2003 - auch 2004 wieder unsere Zeitung.

Um den kommerziellen Erfolg der Produktion ist es dem aus Schwaben stammenden Aachener Musikchef nicht bange. „Rund 700 Platten sind über den Zeitungsverlag verkauft worden, mindestens 300 weitere CDs über den internationalen Handel - das ist weit besser als die Gesamtaufnahme unter Wolfgang Sawallisch”, freut sich Maestro Bosch.

Aber um das Geschäftliche ist dem Dirigenten nicht bange. Am Pfingstfest will er als Begeisterter seine Zuhörer begeistern, Bruckners flammende Musik wie die Feuerzungen des Heiligen Geistes auf das Publikum niederregnen lassen.

Bosch will erwecken und mitreißen. Darum ist es ihm in erster Linie zu tun. Die Bruckner-Aufnahme besitzt aber darüber hinaus für den GMD eine nahezu politische Signalfunktion: „Eine solche Aufnahme dient immer auch der Identifikation des Orchesters in die Stadt hinein.” Will sagen: Wer Bruckner mit diesem Erfolg unters Volk bringt, der hat auch etwas zu bieten - und zu beanspruchen.

Freilich ist diese Liebe wie alle großen Herzensneigungen eine sehr vielschichtige Angelegenheit. Die hat für den „General” durchaus etwas mit der Welt des Sakralen und des Numinosen zu tun: „Bei Bruckner spricht schon aus der Partitur eine gewisse Heiligkeit”, begründet er seine ausgeprägte Präferenz zugunsten des Komponisten, der 1824 im niederösterreichischen Amstetten geboren wurde und 1896 in Wien starb.

So nimmt es denn auch kaum Wunder, dass Bosch und die Musiker Bruckners Siebte in einer Kirche einstudieren - in der römisch-katholischen Erlöserkirche im Aachener Stadtteil Brand. Dort fühlen sich die Künstler geborgen: „Wie die Leute hier für uns sorgen: Das ist schon toll”, formuliert der GMD auch stellvertretend für die Mitglieder des Orchesters.

Dem Werk an sich bringt der Liebling der Klassikfans in der Region große Ehrfurcht entgegen: „Wenn bei Bruckner ein Bogen nicht stimmt, bricht das ganze Gebäude zusammen.”

Die Anforderungen sind also hoch. In der Siebten Symphonie nun ergibt sich eine große Nähe zum Fürsten des Grünen Hügels von Bayreuth - schon wegen des Einsatzes der so genannten „Wagner-Tuba”.

Wie Bosch im Gespräch mit unser Zeitung erläuternd ergänzte, habe den Komponisten der Symphonie überdies im Verlauf des Kompositionsprozesses (das Werk datiert von 1883) vom Tode Wagners erfahren. Bruckner selbst mischte auch Humor in seine Sicht der Komposition: Das Thema des Scherzos habe ihm ein vor seinem Hause krähender Hahn eingegeben, gab er vor Zeiten zu Protokoll.

Bruckners Siebte wird am Pfingstmontag, 31. Mai, 11 Uhr, in der Aachener Kirche St. Nikolaus (Fußgängerzone Großkölnstraße) aufgeführt.

Karten zum Preis zwischen fünf und 25 Euro, denen einzelne Sitzreihen (keine festen Plätze!) zugewiesen sind, sind in den Geschäftsstellen des Zeitungsverlages (Info: 0241/5101-192) und an der Theaterkasse (0241/4784-244 und -237) zu haben.

Beim Konzert wird übrigens nicht nur die neue CD aufgezeichnet - auch die Aufnahme der Achten aus dem vergangenen Jahr wird bei dieser Gelegenheit zu haben sein.