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Aachen/Kerkrade: Widerstand gegen Priesterbruderschaft wächst

Aachen/Kerkrade : Widerstand gegen Priesterbruderschaft wächst

Der Bischof des Bistums Roermond, Frans Wiertz, hat vor der Teilnahme an Gottesdiensten in der früheren Franziskaner-Kapelle von Kerkrade im deutsch-niederländischen Grenzgebiet gewarnt.

Die dort ansässige Priesterbruderschaft PiusX. sei nicht Teil der katholischen Kirche, sondern exkommuniziert, erinnerte sein Sprecher laut niederländischen Medienberichten. Daher stehe die Kapelle auf Geheiß des Bischofs nicht mehr für katholische Gottesdienste zur Verfügung. Das Bistum Aachen hat sich dieser Warnung angeschlossen.

Eine Stiftung hatte das Gotteshaus vor einigen Monaten gegen den Widerspruch des Bischofs an den deutschen Zweig der Traditionalisten verkauft, nachdem es längere Zeit leergestanden hatte. Noch vor Weihnachten soll in der Kapelle Sankt Maria zu den Engeln eine Messe gefeiert werden.

Auch bei Monschau hatte die Priesterbruderschaft ein Gebäude erworben: Das Kloster Gut Reichenstein. Die von der Bruderschaft gegründete Stiftung St. Benedikt hatte die Anlage Ende 2007 erworben, im September dieses Jahres fand die Schlüsselübergabe statt. Mehrer Millionen Euro werden jetzt in den Umbau, beispielsweise in den Bau eines Kreuzgangs, investiert, damit ab 2010 geplante 25 Mitglieder der Bruderschaft in dem Kloster leben können.

Von einer gezielten Ausbreitung in der hiesigen Region könne aber keine Rede sein, sagte Vorstandsmitglied Pater Peter Lang auf Anfrage unserer Zeitung. Die Bruderschaft sei zwecks Klostergründung auf der Suche nach einem geeigneten Gebäude gewesen, habe sich auch eines in Dresden angeschaut, sich dann aber für Monschau entschieden.

Zurückdrängung der Neuheiden

Dass der Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff mit den Aktivitäten des Priesterzusammenschlusses im Aachener Raum nicht glücklich ist, sieht Pater Lang gelassen: „Das ist nur das schlechte Gewissen, dass wir die Traditionen der katholischen Kirche hochhalten”, sagt er. Immerhin bringe der Ortspfarrer von Kerkrade ein „gewisses Verständnis” für die Grundsätze der Traditionalisten. Der hatte die erste ihrer Messen, im August dieses Jahres, besucht.

Das Bistum Aachen sieht zwar im gleichzeitigen Erwerb der Kapelle in Kerkrade und von Gut Reichenstein auch keine Anzeichen einer Konzentration der Aktivitäten der Bruderschaft in der Region, sprach aber eine erneute Warnung aus: Durch das Wirken der Mönche in Reichenstein solle „das Neuheidentum des 21. Jahrhunderts...zurückgedrängt” und die katholische Tradition wieder aufgebaut werden, hieße es in einer früheren Erklärung der Bruderschaft. Das Bistum hatte bereits beim Kauf der Klosteranlage darauf hingewiesen, „dass die Mönche keine offiziellen Angebote der römisch-katholischen Kirche machen”. Es erfolge beispielsweise keine Eintragung ins Pfarrregister, wenn ein Kind von den Brüdern getauft werden.

Die vom exkommunizierten französischen Erzbischof Marcel Lefebvre (1905-1991) gegründete Gemeinschaft sieht sich als katholisch an, begab sich 1988 aber durch ihren Widerstand gegen das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) sowie unerlaubte Bischofsweihen in einen Gegensatz zur Kirchenleitung in Rom. Erst zuletzt wies sie eine erneute Aufforderung des Vatikan zur theologischen und kirchenpolitischen Aussöhnung zurück.

Der Protest der Lefebvre-Anhänger richtet sich vordergründig gegen die Liturgiereform des Konzils. Im Kern werden aber das erneuerte Kirchenverständnis, Ökumene, Religionsfreiheit und Demokratie abgelehnt. Insgesamt werfen sie der römisch-katholischen Kirche vor, mit dem Konzil die Tradition der Kirche zerstört zu haben. Die Gemeinschaft hat alleine im Aachener Raum rund 80 Mitglieder.