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Wettbewerb soll sparen helfen

Wettbewerb soll sparen helfen

Aachen (an-o) - Eine "Effizienzkur" für das Gesundheitswesen soll nach Expertenschätzungen ab 2005 jährlich sechs bis acht Milliarden Euro sparen helfen. Die "Nachrichten" stellen die sieben wichtigsten Eckpunkte vor - exklusiv mit Erläuterungen von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt.

1. Die Kassenärztlichen Vereinigungen werden entmachtet, verlieren ihre Monopolstellung: Sie waren bisher alleiniger Vertragspartner der Krankenkassen für alle Doktoren, handelten für sie Honorare und eine Art Flächentarifvertrag aus. Die Kassen sollen künftig auch mit Einzelärzten Verträge schließen können.
Schmidt: "Ich will den Wettbewerb um Qualität im Gesundheitswesen. Es kann nicht länger sein, dass die Kassen Arzt-Leistungen grundsätzlich gleich bezahlen müssen, egal ob sie gut oder schlecht erbracht werden. Ärzte, die qualitativ gut und besonders qualifiziert sind, sollen das auch honoriert bekommen. Für die Reihenuntersuchungen beim Mammografie-Screening etwa werden künftig nur die Mediziner einen Vertrag erhalten, die nachweisen, dass sie europäische Standards einhalten."

2. Für die spezialisierte fachärztliche Nachbehandlung -Êetwa bei Krebs oder MS - können Kassenpatienten künftig auch ins Krankenhaus gehen. Schmidt strebt Gesundheitszentren nach dem Vorbild der DDR-Polikliniken an.
Schmidt: "Ich möchte, dass die integrierte Versorgung die Regel wird. Denn es führt nachweislich zu erheblichen Einsparungen, wenn es eine bessere Abstimmung zwischen ambulanten Medizinern und den Krankenhäusern gibt und Geräte gemeinsam genutzt werden. Außerdem ist die Qualität der Versorgung besser. Denn heute können etwa schwerstkranke Kassenpatienten nach dem stationären Aufenthalt nicht mehr beim Arzt ihres Vertrauens im Krankenhaus weiterbehandelt werden."

3. Kassen sollen mehr Spielraum beim Leistungsangebot bekommen: Sie dürfen künftig Sterbe- und Urlaubsversicherungen sowie Sonderleistungen (bsp. Ernährungsprogramme) anbieten.
Schmidt: "Heute haben schon 15 Millionen Bundesbürger private Zusatzversicherungen. Warum soll also etwa die AOK Aachen künftig nicht mit einer Privatversicherung besondere Konditionen aushandeln und ein Familienpaket oder ähnliches für ihre Versicherten anbieten dürfen? Die gesetzlichen Kassen sollen diese Spielräume im Wettbewerb bekommen, die Frage ist nur, wer es organisiert. Ich strebe eine Zusammenarbeit zwischen gesetzlichen und privaten Kassen an."

4. Der Pillen-Versandhandel per Internet wird erlaubt, die Preise für nicht verschreibungspflichtige Medikamente sollen freigegeben werden.
Schmidt: "Auch in der Arzneimittelversorgung brauchen wir mehr Wettbewerb. Patienten sollen entscheiden können, ob sie in die Apotheke gehen oder lieber Pillen per Internet bestellen. Letzteres müssen wir ermöglichen, die Welt verändert sich. Darüber hinaus müssen die Apotheken in der Preisgestaltung mehr konkurrieren können. Es gibt keinen Grund, warum die Aspirin in Aachen genauso viel kosten müssen wie in München, zumal die Menschen in der Grenzregion sie beim Nachbarn viel kostengünstiger haben können."


Wie Ulla Schmidt Mediziner zur Weiterbildung verpflichten will,
was künftig noch von der Krankenkasse bezahlt wird, und welche
Vorteile sich die Ministerin vom neuen "Gesundheitspass" erhofft,
lesen Sie auf Seite 4 in der Mittwoch-Ausgabe der "Nachrichten".