1. Kultur

Köln: Westside-Story: Bunt und verliebt in das Detail

Köln : Westside-Story: Bunt und verliebt in das Detail

Upper West Side, New York, 1950er Jahre. Während der Sommer zu Ende geht, bekämpfen sich in den Straßenschluchten zwei Jugendbanden: die „Jets”, US-Amerikaner polnischer Herkunft, und die „Sharks”, unerwünschte Neu-Einwanderer aus Puerto-Rico. Zu sehen ist der Musical-Klassiker „West Side Story” derzeit in Köln.

Dort erzählen Jerome Robbins (Idee, Konzeption, Regie und Choreografie), Arthur Laurents (Buch), Leonard Bernstein (Musik) und Stephen Sondheim (Gesangstexte), was sich an einem Tag und sieben Stunden im Leben der rivalisierenden Gangs ereignet.

Es ist eine Geschichte von Liebe, Hass und Verrat, von Rache, Gewalt und Rassismus, aber auch eine Geschichte voller Charme, Liebreiz und Anmut. Am Anfang steht die ganz große Liebe, am Ende gibt es eine Vergewaltigung und drei Tote, und nichts ist mehr so, wie es war. Regisseur Joey McKneely hat sich der „Romeo und Julia”-Variante vom Broadway angenommen und sie mit den originalen Choreografien von Jerome Robbins inszeniert.

Die waren nicht nur bei der Uraufführung 1957 zu sehen, sondern auch vier Jahre später, in der Verfilmung von Robert Wise, die jeder kennt. Kneelys Inszenierung eroberte die Bühnen in Frankfurt, Baden-Baden und München, nun läuft sie bis zum 25. Juli im Kölner Musical Dome. Die Kulisse kommt mit wenig aus, ist aber ungemein wirkungsvoll: zwei Fassaden-Skelette aus rostigen Balkonen und beweglichen Feuerleitern flankieren riesige Schwarzweiß-Fotos aus dem New York der 1950er Jahre.

Bett, Kleiderständer, Bar

Für die einzelnen Szenen genügen ein Bett, ein Kleiderständer oder eine Bar, um sie zuzuordnen. Dazwischen agieren 32 Darsteller in Kostümen, die bunt, aufwändig und detailverliebt sind.

Allein dieser Kontrast ist es schon wert, die Show zu besuchen. Hinzu kommen fantastische Tanz-Szenen, die Ballett, Pantomime, Jazz-Dance und akrobatische Elemente perfekt kombinieren, die beeindruckende Klangfülle des Litauischen Staatsorchester - 17 Musiker unter dem Dirigat von Donald Chan, die man leider nur hört, aber nicht sieht - und zwei sehr sympathisch besetzte Hauptrollen (alternierend spielen Ryan Silverman und Laura Griffith). An diesem Abend werden Carolann M. Sanita (Maria) und Sean Attebury (Tony) stimmlich allerdings von Lana Gordon (Anita) überflügelt, die auch sonst mit einer solchen Leidenschaft und Lebendigkeit agiert, dass sie alle anderen an die Wand spielt.

Liebeslieder wie „Maria”, „Tonight” oder „Somewhere, theres a place for us” sind dennoch von zeitlos melancholischer Schönheit, während bei Stücken wie „I feel pretty”, „Gee, Officer Krupke” oder „America” vergnügte Leichtigkeit, derber Spott und feine Ironie ins Spiel kommen.

Liebe versteht sich von selbst

Zweieinhalb Stunden (mit Pause) vergehen viel zu rasch, obwohl durchgängig auf Englisch gesungen und gesprochen wird. Marias und Tonys Liebe versteht sich von selbst. Da bedarf es kaum eines Blickes auf die Untertitel, aber vieler Taschentücher.