Aachen: Wer wird neuer GMD? Keine leichte Wahl!

Aachen: Wer wird neuer GMD? Keine leichte Wahl!

Das Aachener Eurogress war restlos ausverkauft, als mit dem niederländischen Dirigenten Enrico Delamboye der zweite Kandidat für die Nachfolge von Marcus Bosch als Aachener Generalmusikdirektor seine konzertante Meisterprüfung ablegen durfte.

So viel wurde dabei klar: Leicht wird nach den beiden Konzerten am Sonntag und Montagabend die Wahl zwischen ihm und seinem Konkurrenten Kazem Abdullah für die Findungskommission nicht.

Behutsamer Begleiter

Die Programme beider Anwärter waren ähnlich gestrickt. Nach Abdullahs klanglich satter und voluminöser Interpretation von Beethovens „Egmont”-Ouvertüre bot Delamboye im dritten Sinfoniekonzert eine schroffere, innerlich unruhigere, teils hektische Vorstellung der „Coriolan”-Ouvertüre des Bonner Meisters. Dass er akribisch genau probt, war nicht zu überhören. Er setzte dabei mehr auf Druck als auf Klangschönheit, was sich streckenweise allerdings nur in einem dicklichen Klangbild niederschlug, nicht unbedingt in vorwärtsdrängendem Elan.

Sein Meisterstück war Abdullah vor einem Monat mit einer nahezu perfekt phrasierten und ausgeleuchteten Darstellung von César Francks Symphonie in d-Moll gelungen. Für Sergej Rachmaninows Zweite Symphonie hatte Delamboye erheblich weitere Strecken zu absolvieren und einen noch größeren Orchesterapparat zu beherrschen. Die langen melodischen Linien und Verästelungen bereiteten ihm keine Probleme. Auch die Entwicklung der dynamischen Höhepunkte gelang dem wiederum engagiert aufspielenden Aachener Sinfonieorchester klangprächtig und mit kontrollierter Spannung.

Lediglich in den endlos strömenden melodischen Girlanden des Adagios ging Delamboye der Atem aus, so dass in der einzigen Generalpause der Spannungsfaden riss und die beiden formalen Blöcke des Satzes auseinanderbrachen. Den Höhepunkt seiner Darstellung bildete der straffe, dennoch kontrastreich angelegte zweite Satz, in dem der Dirigent blühende Melodik und rhythmische Prägnanz gleichermaßen berücksichtigte.

Chopins Zweites Klavierkonzert begleitete Delamboye so behutsam, wie es Abdullah beim Ersten gemacht hatte, auch wenn die Orchestereinleitungen und -zwischenspiele recht rau und ruppig wirkten.

Nach dem krankheitsbedingten Ausfall im letzten Konzert konnte sich endlich die junge Nachwuchshoffnung Olga Scheps ans Klavier setzen. Mit Samtpfötchen verhätschelte sie Chopin nicht. An die kristalline Reinheit der filigranen Arabesken, wie sie zuletzt Kit Armstrong demonstriert hatte, reichte ihr Spiel nicht heran. Da wurden doch zu viele Töne verhetzt oder überspielt. Dennoch eine Kostprobe auf hohem Niveau, die noch Steigerungsreserven erkennen lässt.