Premiere im Mörgens: Wer sind überhaupt „die Guten“?

Premiere im Mörgens: Wer sind überhaupt „die Guten“?

Eine Premiere im Mörgens: „Supergutman“. Das Stück verpackt ernste Fragen in eine spaßige Hülle.

Es bleibt im Ohr: „Gut, gut, gut, super, supergut – aha“. Känguru-Chroniken-Regisseur Matthias Fuhrmeister durchzieht „Supergutman“ mit solchen Sprechgesängen und plötzlichen Mini-Tanzeinlagen der Darsteller. Beim Gespräch auf dem Jugendamt verfallen die Protagonisten zunächst in Arien über die mitgebrachte Blaubeerkonfitüre, bevor sie schlagartig nüchtern zur Sache kommen. Das kommt oft überraschend, wirkt meistens ziemlich überdreht und amüsiert durchweg enorm.

Parzival Pech (Ognjen Koldzic), im Alltag für das Verleihen von Küchengeräten, das Einlegen von Gürkchen und das „Reparieren“ des Internets gefeiert, fehlt in seiner Zweitidentität als Supergutman noch der entscheidende Auftrag, der ihn endlich etwas großes Gutes tun lässt. Das passende Outfit – hautenge schlumpfblaue Leggings und Shirt mit roter Shorts und Superhelden-Leibchen – hat er bereits.

Vom langhaarigen, modisch angestaubten Sozialarbeiter mit runder Brille bis zur komplett in Goldfarben und Gelb gekleideten Talkshowmoderatorin mit auf Pappe gezeichneter gelber Frisur ist das gesamte Ensemble von Marie Harneit grandios ausgestattet. Stephan Wiendahl gestaltet zudem mit aufwendigen, cleveren Video- und Grafikprojektionen verschiedene Schauplätze (Kinderzimmer, Treppenhaus) und visualisiert unter anderem, wie Parzival sich sein Heldendasein vorstellt – fliegend mit Umhang.

Dann kommt Parzival doch ein Fall mit Heldentum-Potenzial unter: die kleine Marla, ihrer Mutter Irma (Friederike Linke) zufolge zu Unrecht vom Jugendamt einkassiert. Als er dem Fall nachgeht, muss Parzival feststellen, dass auch die Gegenseite eigentlich nur Gutes will, nämlich das Kindeswohl sichern. An der Beantwortung der Frage, wer nun eigentlich recht hat und für welches „Gute“ es sich eigentlich zu kämpfen lohnt, scheitert der Supergutman. Dieses sehr reale Problem verpackt die Inszenierung von Fuhrmeister und Dramaturgin Gesa Lolling nach dem fragmentarischen Text von Autor Lukas Linder in ein buntes, lautes, rasantes, effekt­reiches und vor allem sehr witziges Bühnenspektakel.

Fuhrmeisters Ensemble setzt das hervorragend um – Koldzic als rundbäuchiger, aber sehr agiler angehender Superheld, Friederike Linke als etwas weltfremde und nicht ganz durchschaubare Kindesmutter mit überzeichneten Gesten und elfengleichem Gang, Johanna Steinhauser als gekonnt unsympathische Talkshow-Moderatorin und überneugierige Nachbarin, Rainer Krause als schluffiger Sozialarbeiter und als lüsterner, greiser Bademantel-Nachbar. Besonders bemerkenswert: Thomas Hamm, der das Ehepaar Werner spielt – wohlgemerkt beide Parts zeitgleich, im Wechsel von der säuselnden Frau zum tobsüchtigen Herrn fast schizophren anmutend. Kurz gesagt: alles ziemlich supergut!

„Supergutman“ im Mörgens. Weitere Termine: Samstag, 26. Januar, Sonntag, 3. Februar, Samstag, 16. Februar, Sonntag, 24. Februar, Sonntag, 10. März, Sonntag, 24. März und Samstag, 30. März. Tickets gibt es beim Kundenservice des Medienhauses Aachen.

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