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Düren: Wenn sogar die Posaune strippt

Düren : Wenn sogar die Posaune strippt

New Orleans liegt an der Rur. Zumindest für ein paar Stunden traf diese geografische Merkwürdigkeit am Sonntag zu.

Die erste Dürener Jazzparade im Rahmen der 14. Jazztage, vom Start weg die größte Europas, wollten 17.000 Menschen sehen und hören. Fürs Auge gab es biegsame Körper, alte Trucks und bunt geschmückte Paradewagen. In die Hörmuscheln schlichen sich Blues, Soul und natürlich immer wieder Brass-Musik. Noch lange nach Ende der Parade gab es vor den Cafés und auf den Plätzen Konzerte der Marching Bands, die überall bejubelt wurden.

Am Freitagabend hatte das Dürener Festival seinen ersten Höhepunkt erlebt: Als Nils Landgren nach der fünften Zugabe alleine die Bühne betrat, da mischte sich in den frenetischen Beifall Trauer. Den 2500 Menschen vor dem Dürener Rathaus war klar, dass dieses Solo definitiv den Schlusspunkt unter ein grandioses Jazztagekonzert setzen sollte.

Es wurde ein Ausrufezeichen. Denn nach gut 90 Minuten inmitten einer furios aufspielenden Band ließ es der schwedische Posaunist alleine noch einmal richtig krachen. Während er sich durch Klassiker des Filmmusikgenres spielte, ließ er seine rote Posaune strippen. Sämtliche Schrauben wurden gelöst, bis alleine das Mundstück übrig blieb. Ohne auch nur für eine Sekunde seinen Spielfluss zu unterbrechen, bastelte Landgren sein Instrument wieder zusammen und verabschiedete sich unter dem Jubel eines nun restlos befriedigten Publikums.

Landgren und seine Funk Unit mit ihrem Projekt „Funky ABBA” in Düren: Was unter denkbar ungünstigen Vorzeichen begann - der Flieger des Posaunisten landete mit zwei Stunden Verspätung, die technische Crew stand fünf Stunden im Stau - wurde zum Riesenerfolg. Mit den ersten lässigen Grooves wich die Spannung aus den Gesichtern der Akteure. „Money, Money Money” im Funk-Stil, versetzt mit jazzigen Harmonien. Da glänzten die Augen der ABBA-Fans genauso wie die der tanzwütigen Groove-Jünger.

Unvergessliche Hits

Gleich mit dem ersten Song wurde deutlich: Landgrens Arrangements sind den ABBA-Melodien alles anderes als übergestülpt. Stattdessen schmeicheln sich die Refrains der unvergesslichen Welthits in Landgrens warme Kompositionen. Zwölf ABBA-Nummern hat der Posaunist zwar völlig verändert, aber doch nicht ihrer Seele beraubt. Da fällt es schwer, einzelne herauszuheben.

Cool kommen HipHop-betonte Nummern wie „Knowing Me, Knowing You” rüber. Mit ABBA in die Bronx - gewöhnungsbedürftig, aber gut. Ein Highlight ist das von Nils Landgren lasziv gesungene „Dancing Queen”. Einfach nur zum stillen Genießen „Thank You For The Music” als Blues. Da hockte sich Landgren auf seine Monitorbox und ließ das Publikum lautstark mitsingen.

Eine halbe Stunde später wussten die Fans, dass der Posaunenmeister an dieser Stelle wohl neue Kraft schöpfen musste für seinen kommenden furiosen Schlussauftritt. Am Sonntagabend folgte das zweite Topkonzert des Festivals: Auf der Open-Air-Bühne stand Ex-Weather-Report-Tastenmann Joe Zawinul.