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Köln: Weltstar fasziniert mit Frühlingszauber

Köln : Weltstar fasziniert mit Frühlingszauber

Er schöpft aus Tiefen, die ihm nicht nur eine kraftvolle, in vielen Facetten leuchtende Stimme und ein hohes Maß an Gestaltungsfähigkeit schenken, sondern zudem den Eindruck vermitteln, dass ihn nur noch das Wesentliche, die Essenz der Gefühle und Gedanken interessieren.

Der katalanische Tenor José Carreras in der Kölner Philharmonie: Ausverkauftes Haus, so manches prominente Gesicht im Publikum, überall Plakate, auf denen der smarte Weltstar dem Betrachter intensiv in die Augen schaut. Der Künstler, dessen Leben sich mit der Überwindung der Leukämie von Grund auf verändert hat, startete mit dem Konzert seine Deutschlandtournee, die ihn auch nach Kiel, Frankfurt, Berlin, Hamburg und Saarbrücken führt. Zuvor hatte Carreras an der Wiener Staatsoper sein 30-jähriges Bühnenjubiläum mit einer glanzvollen Benefizgala zu Gunsten seiner Stiftung für Leukämiekranke gefeiert.

In Köln präsentierte Carreras ein kammermusikalisch geprägtes Programm mit höchst anspruchsvollen und nuancenreichen Kompositionen unter anderem aus dem Bereich des italienischen Kunstliedes. An seiner Seite der einfühlsame Pianist Lorenzo Bevaj, das Nuovo Quartetto Italiano sowie Cor Mutsers, Mandoline, und Patrick van Gerven, Gitarre.

Wer eine bunte Reise durch die Welt der CD-üblichen Opernarien mit ihren Tenor-Highlights erwartet hatte, war vermutlich verblüfft. Denn was Carreras seinem Publikum mit großem Engagement nahe brachte, waren bei uns nahezu unbekannte Werke. Die Poesie der Texte und die malerische Komplexität der Lieder wurden durch Carreras Interpretation zum bewegenden Ereignis.

„Spürst du nicht den Duft des Frühlings in der Luft?”, fragte er voll Leidenschaft in Paolo Tostis „Aprile” und umschrieb damit das Herz seines Liederabends. Enttäuschte Liebe, Tränen und Schmerz, Romantik und Wehmut, Trauer und Hoffnung sind die ewigen Themen dieser Kompositionen. Behutsam steigerte Carreras stimmlich die Dramatik von der stillen Magie einer Mondnacht auf dem Meer mit dem Hauch der kühlen Brise bis zum historischen Zauber von Aranjuez.

Der zurückhaltende Tenor mit dem heldenhaften Strahlen, der Fähigkeit, selbst aus den kleinen Geschichten dieser Texte glühende Funken zu schlagen, faszinierte ein begeistertes Publikum, das ihn mit roten Rosen feierte. Donnernder Applaus. Carreras bedankte sich mit vier üppigen Zugaben.