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Warschau: Weltpremiere in Warschau: Polanskis „Pianist”

Warschau : Weltpremiere in Warschau: Polanskis „Pianist”

Der bei den Filmfestspielen in Cannes mit der „Goldenen Palme” ausgezeichnete Film „Der Pianist” von Roman Polanski hat am Donnerstag in Warschau seine Welt-Publikumspremiere erlebt.

Polanski bezeichnete die wahre Geschichte des polnisch-jüdischen Pianisten Wladyslaw Szpilman und sein Überleben im Warschauer Ghetto als seinen persönlichsten Film.

„Als ich die ersten Seiten des Buches gelesen hatte, wusste ich, dass ich darüber einen Film drehen muss, und das in Warschau”, sagte er während der Premiere. „Ich wollte die Geschichte erzählen, so wie ich mich daran erinnere.”

Polanski hatte als Kind im Krakauer Ghetto gelebt - seine Mutter war in Auschwitz ermordet worden.
Unter den Premierengästen waren Staatsoberhaupt Aleksander Kwasniewski und Regierungschef Leszek Miller.

Die wahre Geschichte des polnisch-jüdischen Pianisten Wladyslaw Szpilman brachte nicht nur Hollywood-Glamour in die Warschauer Nationalphilharmonie, sondern vor allem eine Vergangenheit, die in Warschau noch so präsent wie kaum irgendwo ist.

Der „Pianist” ist kein polnischer Film, sondern eine internationale Koproduktion mit deutscher Beteiligung. Aber die Bilder, die Polanski auf die Leinwand zeichnete, kennt in Polen jedes Schulkind.

Das Bild etwa der Christusfigur der bombardierten Heiligkreuzkirche in der Warschauer Altstadt, mit dem der Film beginnt, gehört geradezu zum kollektiven Gedächtnis.

Immer wieder entsteht der Eindruck, die Bilder bereits zu kennen - aus den Dokumentarfilmen über das Warschauer Ghetto, aus Geschichtsbüchern. Die Musik von Chopin, die Szpilman (Adrien Brody) letztlich das Leben rettet, als ihn ein deutscher Offizier (Thomas Kretschmann) in seinem Versteck spielen hört, zieht sich wie ein roter Faden durch den Film.

Polanski verzichtet auf spektakuläre Effekte des Grauens. Das spiegelt sich eher in dem verzweifelten Blick Szpilmans wider, der durch Zufall gerettet wird, als seine gesamte Familie nach Treblinka muss. Niemand von ihnen überlebte das Vernichtungslager, Szpilman starb vor zwei Jahren.

Zwei Tage vor der Filmpremiere wurde Polanski in Polen für sein Lebenswerk mit dem „Goldenen Zepter” ausgezeichnet. Das Preisgeld will der Meisterregisseur für die Aufrechterhaltung der Erinnerung an das Krakauer Ghetto stiften.