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Aachen/Teheran: Weltoffen privat, gegängelt auf der Straße

Aachen/Teheran : Weltoffen privat, gegängelt auf der Straße

Besonders nach der Wahl des ultraorthodoxen Bürgermeisters der Hauptstadt Teheran, Mahmud Ahmadinedschad, zum neuen iranischen Präsidenten sehen einige in der hiesigen Region lebende Iraner die Situation mit Sorge.

Die beiden gebürtigen Iraner Miralireza Mirmoayadi und Khosrow Tadjrobehkar leben seit vielen Jahren in Aachen. Ein Freundeskreis um diese beiden kümmert sich um Aufklärungsarbeit, setzt sich aber auch ganz konkret für inhaftierte Regierungskritiker in dem tausende Kilometer entfernten Land ein.

Nicht nur für die Europäer werde die Situation in dem fernen Land immer undurchsichtiger, sagen die beiden im Gespräch mit unserer Zeitung: „Die Leute im Iran leben in einem völlig anderen System mit einer anderen Vergangenheit, das von hier aus selbst für uns immer schwerer nachvollziehbar wird.” Entsprechend viele Aspekte hat ihre Aufklärungsarbeit über das Leben in dem „Multikultiland”, ein Leben zwischen wenigen alten und sehr vielen jungen Menschen, zwischen ungezwungener Privatsphäre hinter verschlossenen Türen und straff reglementierter Öffentlichkeit.

Gerade jetzt nach der umstrittenen Wahl Ahmadinedschads bewerten die beiden Aachener die Situation in ihrem Heimatland kritischer denn je: „Das war keine freie Wahl”, sagen sie, „und es ist relativ egal, wer Präsident ist; den Großteil der Macht haben ohnehin andere!” Kritik und erst recht Reformen würden immer schwieriger: Der erzreaktionäre Wächterrat, der die Konformität der Gesetze und der politischen Vertreter mit den Maßgaben des Islam sicherstellt, habe nur einige wenige Kandidaten zur Präsidentschaftswahl zugelassen. Nicht nur Intellektuelle hätten die Wahl boykottiert: Von rund 50 Millionen Wahberechtigten sei etwa die Hälfte gar nicht erst hingegangen.