Aachen: Welcher Schauspieler überzeugt im Theater? Jeder kann abstimmen!

Aachen: Welcher Schauspieler überzeugt im Theater? Jeder kann abstimmen!

Es ist leicht, und es bleibt spannend! Denn den Publikumspreis des Medienhauses Aachen vergibt — so der Name — das Publikum ganz allein. Welcher Schauspieler oder welche Schauspielerin überzeugt im Theater Aachen und im Grenzlandtheater am nachhaltigsten? Wem möchte man zeigen, dass er oder sie einen besonderen Eindruck hinterlassen hat?

Ein Voting-System unserer Zeitung sorgt dafür, dass jeder Theaterbesucher schnell und bequem seine Meinung kundtun kann — am besten unmittelbar nach dem Theaterbesuch, wenn der Eindruck noch frisch ist. Zusätzlich wird in den Theatern ein Handzettel verteilt, der alle noch einmal daran erinnert, mitzumachen.

Chefredakteur Thomas Thelen informiert sich bei Kampagnenmanagerin Miriam Beckers über das Voting-System zum Publikumspreis. Foto: Michael Jaspers

Mit einem Klick ist man auf der richtigen Seite (www.azan-publikumspreis.de), findet die Infos zu den aktuellen Stücken sowie die Fotos der Akteure und kann auf einer Skala von eins bis fünf die Wertung vornehmen. Dann nur noch die Kontaktdaten zur späteren Gewinnspielteilnahme angeben und „Absenden“ anklicken. Die „Eins“ im Voting bedeutet „nicht so überzeugend“, die „Fünf“ signalisiert: „hervorragende Leistung“, dazwischen liegen die Abstufungen. Jene zwei Schauspieler des Grenzlandtheaters und des Stadttheaters, die zum Ende der Spielzeit Spitzenreiter bei den Punkten sind, erhalten den Publikumspreis — jeweils 1000 Euro, gesponsert vom Aachener Unternehmen Bischoff & Vielhauer.

Theaterabos gewinnen

Auch wer mitmacht, kann etwas gewinnen: Zum Abschluss der Voting-Aktion werden zwei Jahres-Abonnements für jeweils zwei Personen verlost — eins für das Grenzlandtheater und eins für das Theater Aachen.

Möglich wird die Organisation unseres Preises durch die Kurt-Sieder-Stiftung, die es sich zum Ziel gesetzt hat, jährlich in beiden Häusern schauspielerische Leistungen auszuzeichnen. Erstmals fand eine Verleihung in der Saison 2003/2004 statt.

Beim Kurt-Sieder-Preis werden die Preisträger durch eine Fachjury ausgewählt. Über den Publikumspreis, der nach Ablauf einer Spielzeit während der Matinee zum Kurt-Sieder-Preis überreicht wird, entscheiden allein die Zuschauer. „Eine wunderbare Ergänzung und zugleich ein interessanter, vielleicht sogar unerwarteter Blick auf die Produktionen. Das ist ganz im Sinne von Kurt Sieder, beziehungsweise von Gerda Sieder“, versichert Ralf Wagemann, als Vorsitzender „Hüter“ der Stiftung, die eine fest gefügte Satzung hat, den Publikumspreis aber unter ihrem „Dach“ aufnimmt.

Theater und Grenzlandtheater Aachen — die Auswahl der Spielstätten und die Entscheidung, die Auszeichnungen im Bereich des Sprechtheaters zu verleihen, hat mit Kurt Sieder zu tun. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat der leidenschaftliche Theatermann (1899-1964) aus Mannheim zunächst den Spielbetrieb des Theaters Aachen als Bühnenleiter neu organisiert — am Ostersonntag 1946 konnten die Zuschauer im notdürftig umgebauten Foyer Friedrich Schillers Drama „Don Carlos“ erleben. 1950 ging Sieders sehnlichster Wunsch in Erfüllung, ein eigenes Theater zu betreiben: klein, aber fein, sein „Theater im Zimmer“ im damaligen „Haus Nuellens/Nuellenspassage“ — heute Grenzlandtheater in der Elisengalerie — nahm den Spielbetrieb auf.

„Wichtiger Zuschuss zur Gage“

Aus den anfangs 80 sind längst 218 Sitzplätze geworden. Der Neubau der Galerie hatte einen Um- und Ausbau sowie die technische Rundumerneuerung des Theaters zur Folge. „Die Beziehung zu beiden Häusern ist der Grund, warum wir diesen Kreis der Schauspieler gewählt haben“, erklärt Wagemann.

Sieders Witwe Gerda hatte verfügt, dass nach ihrem Tod aus dem Vermögen eine Stiftung wird, die jährlich eine Summe zur „Förderung der Schauspielkunst“ zur Verfügung stellt. Ort der Verleihung ist abwechselnd das Grenzlandtheater und das Spiegelfoyer des Theaters — also gleichfalls für den Publikumspreis.

„Durch unsere Theaterkritiken berichten wir seit Jahrzehnten regelmäßig in zwei Zeitungen und online, was sich in den beiden Häusern tut, was wir davon halten, wie wir die Inszenierungen und Stücke einschätzen“, meint Thomas Thelen, Chefredakteur unserer Zeitung. Mit dem Publikumspreis gebe es nun erstmals ein Angebot für Zuschauer, ihre Meinung frei und unmittelbar auszudrücken. „Wir werden erfahren, welche Schauspieler die Menschen so beeindruckt haben, dass man sie anklickt, egal, was in der Kritik steht“, freut sich Thelen.

Das im Lesermarkt des Medienhauses entwickelte digitale Votingsystem ist gut zu handhaben, ob unmittelbar nach der Vorstellung mit dem Smartphone oder zu Hause am stationären PC. „Jeder, der manchmal im Internet unterwegs ist, kann das“, betont Nele Toye, Leiterin des Lesermarktes, die zusammen mit Kampagnenmanagerin Miriam Beckers den Start zur ersten Premiere am 19. August vorbereitet: „Arthur & Claire“, eine Komödie von Stefan Vögel im Grenzlandtheater. Solange ein Stück über die Bühne geht, ist hierzu das Voting möglich. Nach der letzten Vorstellung wird das Voting geschlossen und der Eintrag verschwindet. Dann folgt die nächste Inszenierung. „Wenn im Theater Aachen parallel mehrere Stücke zu sehen sind, kann man die natürlich auch alle bei uns finden“, erklärt Nele Toye.

Möglichkeit zum Mitwirken

Was sagen die Theaterchefs? „Das Publikum bekommt eine Stimme, das ist großartig, ich bin sehr gespannt“, meint Uwe Brandt, Intendant des Grenzlandtheaters. So eine Möglichkeit zum Mitwirken fördere die Lust am Theater. „Leute, die keine Theater-Profis sind, zeigen uns so spontaner, was sie fasziniert und berührt.“ Für die Schauspieler sei ein Preis nicht nur das Zeichen für Anerkennung: „Die Gagen sind nicht hoch“, weiß Brandt. „Das ist ein wichtiger Zuschuss.“

Michael Schmitz-Aufterbeck, Generalintendant des Theaters Aachen, sieht der Voting-Auswertung mit Spannung entgegen: „Die Zuschauer entscheiden aus dem Bauch heraus, das ist eine andere Art der Beurteilung als die Diskussion in einer überschaubaren Jury“, sagt er. „Das ist emotional, aber Theater ist ja schließlich emotional.“ Worauf sollte das Publikum achten? „Da will ich niemanden beeinflussen“, versichert Schmitz-Aufterbeck. „Aber man kann sich zum Beispiel die Frage stellen, wie die Akteure auf der Bühne miteinander agieren, ob sie aufeinander bezogen sind, ob sie alte Stoffe der Literatur frisch erzählen können. Ein guter Schauspieler hat Ausstrahlung.“ Der Preis — da sind sich alle einig — ist ein Zeichen der Wertschätzung, die im Alltag der Schauspieler häufig zu kurz kommt.

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