Weihnachtskonzert des Euro-Kammerorchesters im Aachener Rathaus

Aachen: Beim Chor aus Händels „Messias“ schwingt Wehmut mit

Mit Händels „Halleluja“ endete das traditionelle Weihnachtskonzert des Euro-Kammerorchesters so festlich, wie man sich ein klingendes Gotteslob nur wünschen kann. Seit über 40 Jahren zelebriert Thomas Beaujean das Konzert am Vorabend des vierten Advents im schmucken, stets voll besetzten Krönungssaal des Aachener Rathauses.

Trotz allen Trompeten- und Stimmenglanzes durchzog diesmal dennoch ein leiser Hauch von Wehmut den Abend. Denn für die „Cappella Aquensis Aachen“, die mit fünf Chören aus Händels „Messias“ das Kernprogramm des Konzerts klangvoll beschloss, galt es, an diesem Abend mit diesem kleinen Auftritt endgültig Abschied von Thomas Beaujean als künstlerischem Leiter des Chors zu nehmen, der den Chor vor über 40 Jahren gegründet und seitdem auf konstant hohem Niveau mit ungebrochenem Erfolg geführt hat.

Bei den Weihnachtskonzerten, so der Plan, will man weiterhin zusammenarbeiten. Der Schmerz dürfte sich also in Grenzen halten: Thomas Beaujean wird weiterhin das Euro-Kammerorchester leiten und damit auch die traditionellen Weihnachtskonzerte gestalten. Die „Cappella Aquensis“ übernimmt als neuer Leiter Ulrich Brassel, der das Aachener Musikleben auch in Zukunft bereichern möchte. Mit „vokalen Schaumkrönchen“ ist daher nicht nur in der Weihnachtszeit zu rechnen.

In diesem Jahr setzte Beaujean vorwiegend auf populäre Zugstücke des Repertoires. Der erste Programmteil stand im Zeichen Mozarts. Das von italienischer Helligkeit und Lebensfreude erfüllte Divertimento in F-Dur KV 138 des 16-jährigen Meisters gestalteten die Streicher des Euro-Kammerorchesters mit viel Drive, exzellenter Präzision auch in den filigranen Mittelstimmen und einer weichen, biegsamen Tongebung, so dass die mediterrane Vitalität des Werks nahezu makellos zum Ausdruck kommen konnte.

Highlight nach der Pause

Der 20-jährige Hornist Constantin Glaner stellte sich als Stipendiat der „Deutschen Stiftung Musikleben“ mit Mozarts letztem und wohl auch gewichtigstem Hornkonzert in Es-Dur KV 495 vor. Ein junger, bereits mit etlichen Preisen dekorierter Künstler, der die Ansprüche des Werks souverän meisterte. Trotz der begrenzten spieltechnischen Möglichkeiten des Instruments zur Entstehungszeit der Komposition hat Mozart dem Instrument so viel an melodischer Kantabilität und aufgeweckter Virtuosität entlocken können, dass die Konzerte auch an Hornisten mit modernem Instrumentarium hohe Anforderungen stellen. Aufgaben, die Constantin Glaner eindrucksvoll lösen konnte.

Nach der Pause folgte mit Peter Tschaikowskys Streicher-Serenade ein Highlight des Repertoires, mit dem das Euro-Kammerorchester schon öfter erfolgreich aufgetreten ist. Die langsame Einleitung nahm Beaujean diesmal besonders schwer und auch im schnelleren Hauptteil des Kopfsatzes bewahrte er ein moderates Tempo, bei dem sich die kompositorischen Raffinessen und vor allem die melodische Ausdruckskraft des Satzes organisch entfalten konnten.

Dem berühmten Walzer fehlte es nicht an Schwung, der Elegie nicht an weitem Atem für die ausgedehnten melodischen Bögen und dem Finale nicht an virtuos sprudelnder Spielfreude. Eine rundum saubere Interpretation des beliebten Stücks, dem als glanzvoller Abschluss die Chöre aus Händels „Messias“ folgten.

Wie immer lang anhaltender, begeisterter Beifall für eine liebgewonnene Tradition und eine besondere musikalische Instanz der Adventzeit.

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