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Aachen: Wechselwähler: Unfassbar untreue Wesen

Aachen : Wechselwähler: Unfassbar untreue Wesen

Heino tut es. Christoph Schlingensief tut es. Und wahrscheinlich werden es einige Millionen Deutsche am 18. September tun. Sie machen ihre Kreuzchen bei einer anderen Partei als noch bei der vorigen Bundestagswahl. Sie sind Wechselwähler.

Warum werden immer mehr Wähler ihrer Partei untreu? Und welchen Einfluss hat diese schwer zu fassende Gruppe im Gegensatz zu den berechenbaren Stammwählern? Mit Professor Gert-Joachim Glaeßner (60), Politikwissenschaftler an der Humboldt-Universität Berlin, sprach unsere Mitarbeiterin Jenny Schmetz über die mobilen Wähler.

Frage: Wechselwähler haben ein mieses Image. „Flugsand” der Demokratie nannte sie Bundeskanzler Ludwig Erhard im Jahr 1965. Aber auch heute werden sie als „wankelmütige Wendehälse” oder als das „schmutzige kleine Geheimnis der Parteiendemokratie” bezeichnet. Woran liegt das?

Glaeßner: Das liegt daran, dass Politiker, Journalisten und Wissenschaftler nicht gerne überrascht werden. Erhard hat das seinerzeit gesagt, als es relativ klare Parteibindungen gab und die Parteien die großen Interessengruppen, sozialen Klassen und Schichten widerspiegelten. Da war für jeden einigermaßen deutlich erkennbar, wer wen wählt. Diese Situation ist nun schon lange nicht mehr gegeben, aber man will sich anscheinend nicht daran gewöhnen, dass es anders geworden ist.