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Waldenburg/Aachen: „Wasserfloh” Christel Justen ist tot

Waldenburg/Aachen : „Wasserfloh” Christel Justen ist tot

Der „Wasserfloh” ist tot. Völlig überraschend starb in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag Christel Justen. Nach Angaben ihrer Hausärztin ist die Ex-Weltrekordlerin eines natürlichen Todes gestorben: Herzversagen.

„Ich bin sprachlos. Das tut mir sehr leid”, sagte Eberhard Gienger, als er von unserer Zeitung über den Tod seiner ehemaligen Weggefährtin informiert wurde. „Wir waren 1974 beide Sportler des Jahres. Seit dem haben wir uns öfter mal bei Sportgalas gesehen”, erinnerte sich der frühere Top-Turner: „Wir haben uns auch über gemeinsame Aktivitäten und vor allem über Trainingsmethoden unterhalten. Noch vor einem Monat haben wir uns in Baden-Baden bei der Gala zur Sportlerwahl getroffen. Da sah sie sehr gut aus, hat einen wesentlich jüngeren Eindruck gemacht.”

„Mit großem Bedauern” nahm Claus Vandenhirtz die sehr traurige Nachricht zur Kenntnis: „Das ist tragisch. Ihre Mutter ist vor einigen Jahren auch an Herzversagen gestorben. Wir haben sie damals tot vor dem Fernseher gefunden.”

Der Aachener Schwimmtrainer hatte Christel Justen 1974 zu ihrem größten Erfolg geführt, dem Sieg bei der EM in Wien. In einem spannenden Finale über 100 Meter Brust schwamm sie zudem in 1:12,56 Minuten Weltrekord und durchbrach die Phalanx der damaligen DDR-Schwimmerinnen um Renate Vogel. Im gleichen Jahr wurde die im niederländischen Osterhout geborene und in Aachen aufgewachsene Athletin dann auch zur Sportlerin des Jahres gewählt.

„Wir haben uns zuletzt bei den Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen des Deutschen Schwimm-Verbandes getroffen. Angehörige in Aachen hatte sie keine mehr”, sagte Vandenhirtz, der Christel Justen in den 70-er Jahren mit mittlerweile verbotenen Dianabol-Tabletten zur Leistungssteigerung verhalf. „Das war damals erlaubt. Als das geringste Risiko festgestellt wurde. hatte sich das Thema erledigt.”

Der blonde „Wasserfloh”, wie Christel Justen damals liebevoll genannt wurde, beendete unmittelbar nach den großen Erfolgen im Jahr 1975 seine Karriere.

Seit mehr als zehn Jahren lebte die stets offene, sympathische und ledige Diplom-Sportlehrerin und Sporttherapeutin in Waldenburg (Baden-Württemberg). Seit anderthalb Jahren war sie bei den Stadtwerken Schwäbisch Hall als Eventmanagerin für das Schenkenseebad zuständig. Zuvor war sie fest angestellt bei der Turn- und Sportgemeinde Schwäbisch Hall.