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Aachen: Wasser, wilde Wolken und das sanfte Licht Italiens

Aachen : Wasser, wilde Wolken und das sanfte Licht Italiens

„Johann Wilhelm Schirmer in seiner Zeit - Landschaft zwischen Ideal und Wirklichkeit”, so der Titel einer großen Ausstellung, die ab dem 23. August (Eröffnung 20 Uhr) bis 17. November im Suermondt-Ludwig-Museum Aachen zu sehen ist.

Nicht nur der in Jülich1807 geborene Maler, auch Arbeiten seiner Schüler und Weggefährten werden hier gezeigt. In einer weiteren begleitenden Schau gibt man zudem einen Eindruck vom Blick der heutigen Fotografie auf die Landschaft.

Ein sanftes Leuchten liegt über dem Petersdom, schroffe Abhänge künden von der gewaltigen Natur der Via Mala und über dem tiefgrünen Wald, wo der glitzernde Bach um einen gestürzten Baumriesen plätschert, ballen sich die Wolken eines dramatischen Himmels: Johann Wilhelm Schirmer und die Natur.

Ein großes Thema, das diese von Kustos Dr. Adam C. Oellers betreute, bundesweit bisher größte Ausstellung mit Werken des Künstlers aufgreift. Im kompletten Untergeschoss des Suermondt-Ludwig-Museums sorgte man für eine schlüssige Präsentation, die der Besucher nicht zuletzt durch die Farbgestaltung der Wände in aller Ruhe nachvollziehen kann: Helles Blau für die Bergregionen, kühles Grün für das Wasser, ein sanfter Champagna-Ton für Italien.

Wer war dieser Mann - 1807 in Jülich geboren, 1863 in Karlsruhe gestorben - mit dem genauen Blick, der Gräser, Felsen, Bäume und Wolken in ihrer variablen Schönheit mit fast fotografischer Akribie zeigt? In Düsseldorf wurde er erster Professor für Landschaftsmalerei, in Karlsruhe war er Mitbegründer der Akademie.

Bis zu seinem Tod reiste er mit Leidenschaft, hielt seine Impressionen von Italien, der Schweiz, Deutschland und Frankreich fest, bevor er sich auch biblischen Themen widmetet.

Eigens für den Zyklus vom „Barmherzigen Samariter” wurde innerhalb der großen Halle ein zur Meditation anregendes Oktogon gebaut, wo auf rosig getönten Wänden die fromme Geschichte auflebt.

Ob Gemälde, detailreiche Zeichnungen oder Aquarelle, stets gilt es bei diesem frühesten deutschen „Freiluftmaler” die Pole „Ideal” und „Wirklichkeit” zu bedenken. Was so naturnah wirkt, ist zwar naturalistisch vor Ort als perfekte Ölstudie entstanden, später dann allerdings im Atelier zur komponierten Landschaft „zusammengesetzt” worden.

Schirmers Werke waren begehrt. „Man kaufte ihn quer durch Europa”, weiß Museumsleiter Professor Ulrich Schneider. „Kunden waren Fürsten, Bürger und Museen.” Nicht allein die Malerei, auch der Austausch mit anderen Künstlern hatten für Schirmer Bedeutung.

So verband ihn Freundschaft mit dem Komponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy, gründete er 1827 einen „Landschaftlichen Komponierverein”. „Man ging hinaus, malte und diskutierte die Ergebnisse”, so Oellers, der sich drei Jahre lang mit Schirmer beschäftigt hat. Das Ergebnis ist beeindruckend.

„Johann Wilhelm Schirmer in seiner Zeit”, Suermondt-Ludwig-Museum, Aachen, Wilhelmstr. 18, Eröffnung 23.8.2002, 20 Uhr, bis 17. November Di.-Fr. 11-19 Uhr, Mi. 11-21 UHr, Sa./So. 11-17 Uhr, Eintritt 5 Euro, Katalog 24 Euro, Führungen So. 11, Mi. 19.30 Uhr, Gruppen 0241/4798020, Info 0241/4798012.