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Aachen: Was bleibt, ist Wehmut: Judith Hermanns Erzählungen „Nichts als Gespenster”

Aachen : Was bleibt, ist Wehmut: Judith Hermanns Erzählungen „Nichts als Gespenster”

Der Erfolgsdruck muss grausam gewesen sein: Mit „Sommerhaus, später” tauchte die junge Berliner Autorin Judith Hermann 1998 wie aus dem Nichts auf und wurde prompt als aufregend neue literarische Stimme einer ganzen Generation gefeiert - ein melancholischer Gegenentwurf zur „Generation Golf”.

Gut vier Jahre hat sie Leser und Kritiker auf ihr neues Buch warten lassen: „Nichts als Gespenster”. Wieder Erzählungen, wieder vor allem Liebesgeschichten, wieder sehr schwermütig - und doch anders: länger, komplexer, hoffnungsloser.

Sieben Geschichten hat Hermann geschrieben, und bis auf eine gehorchen sie dem klassischen „boy-meets-girl”-Schema. Junge Frauen, die seltsam traumwandlerisch durch die Welt taumeln, ohne Orientierung, ohne Halt, ohne Beruf, ohne Ziel.

Verloren in einem Leben, das ihnen einfach nur zustößt. Die sich verlieben und ihre Liebe wieder verlieren. Hermann - und auch das ist ein Unterschied zu ihrem ersten Buch - schickt sie hinaus in die Fremde, nach Prag und Karlsbad, nach Venedig, Island, Nordnorwegen oder in die Wüste Nevadas.

Die große Einsamkeit, die ihre „Heldinnen” spüren, erstarrt hier zu Landschaften. Man kann diese zarten Frauentypen zu Recht „manieriert und todesschön” nennen, trifft damit den Kern jedoch nicht in Gänze.

Denn Hermann zelebriert keine modisch-schicke Tristesse, sondern beschreibt die Sehnsüchte ihrer Figuren mit einem zwischen Distanz und Empathie changierenden Blick, der nichts erklärt und nichts entschuldigt.

Manchmal jedoch vergreift sich die Autorin im Ton und lädt ihre Beschreibungen mit unnötigen Erklärungen auf. Zu oft schwelgen die Akteure somnambul in ihrer Erfahrungsarmut, trinken zu viel und rauchen sich fast zu Tode. Die Grenze zum Kitsch ist fließend, an so mancher Stelle wird sie leider haarscharf überschritten.

Letztlich geht es bei Judith Hermann immer um die Unmöglichkeit, Beziehungen zu leben. Liebhaber kommen und gehen. Mann und Frau treffen aufeinander, ziehen sich an, verletzen sich, gehen auseinander.

Im besten Fall bewahren sie die Erinnerung an glückliche Momente. Nichts hat Bestand, schon gar nicht die Liebe. Davor kann man sich nicht schützen. Was bleibt, ist Wehmut.

Judith Hermann liest am 12. März zweimal in Aachen: um 16.30 Uhr im Suermondt-Ludwig-Museum für Jugendliche aus dem Buch „Sommerhaus, später” und um 20 Uhr in der Aula Carolina, Pontstraße, aus „Nichts als Gespenster”.