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Aachen: „Warum sollten wir ausgerechnet Sie einstellen?”

Aachen : „Warum sollten wir ausgerechnet Sie einstellen?”

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem Bewerbungsgespräch. Alles läuft wunderbar: Sie waren zehn Minuten vor dem Termin in der Firma. Dank des Essigbades für die Hände verrieten diese bei der Begrüßung nichts von Ihrer Nervosität.

Und so geradlinig und überzeugend rückten Sie im ersten Teil des Gesprächs Ihre Erfahrungen und Stärken ins rechte Licht, dass sogar die sechsmonatige Indienrundreise als Studienaufenthalt in Sachen Software durchging. Doch nun das: Welches Buch Sie in letzter Zeit beeindruckt habe, will der Personalchef auf einmal wissen.

„Vollidiot” denken Sie im ersten Moment und schwanken dann zwischen dem verschütteten Wissen über die „Blechtrommel” und Ihrer Vorliebe für Harry Potter hin und her. Sie werden unsicherer und Ihr souveräner Auftritt verliert an Überzeugung.

Dabei müssen Sie nicht alles wissen, Sie sollten sich nur auf die Situationen einstellen können, in denen Ihnen mal die Worte fehlen. Und das kann man lernen. Als hätten Sie gerade erfahren, demnächst als Kandidat bei Günther Jauch auftreten zu dürfen, sollten Sie gleich nach der Einladung fleißig das Frage-Antwort-Spiel trainieren.

Es geht um Wissen

Denn zum einen geht es tatsächlich um Wissen und darum, während des Gesprächs selbst mit klugen Fragen glänzen zu können. Zum anderen geht es ans Eingemachte. Wenn Sie bisher bei Fragen à la „Wer bin ich und wohin will ich überhaupt?” noch keine rechte Antwort für sich gefunden haben, sollten Sie nun dem Personalchef souverän antworten können, wenn der fragen sollte: „Was ist Ihr Lebensmotto?” „Wo wollen Sie in fünf Jahren stehen?” Oder: „Warum sollten wir ausgerechnet Sie einstellen?”

Bei der Suche nach Antworten helfen Stift und Zettel: Einfach auf der einen Seite des Papiers aufschreiben, was Sie schon gemacht haben und gut können und auf der anderen, was das Unternehmen eigentlich will und welche Perspektiven es bietet. Aus der Schnittmenge ergeben sich erste Ansätze.

Und was ist mit den Schwächen? Fragt der Arbeitgeber direkt nach persönlichen Problembereichen, langweilen Sie ihn lieber nicht mit vermeintlichen Schwächen, über die sich jeder Arbeitgeber eher freuen dürfte: Ungeduld etwa oder Perfektionismus. Ehrlicher sind kleine Geständnisse, die durch andere Vorzüge abgemildert werden, wie: „Ich bin sehr kreativ, manchmal auch etwas unordentlich. Aber ich behalte stets den Überblick und halte Fristen immer ein.”

Um die Schwächen aus ihren Bewerbern herauszukitzeln, provozieren die Personalchefs sie auch schon mal, um zu sehen, ob sie das Gespräch diplomatisch fortführen können. Beispiel: „Ich denke, Sie wären mit dem Job überfordert.” Jetzt heißt es, gezielt nachzuhaken, um herauszufinden, was Ihr Gegenüber damit meinen könnte. Bloß nicht klein machen lassen und kampflos aufgeben, vielleicht können Sie ihn gleich vom Gegenteil überzeugen - in dem Sie zum Beispiel auf Erfahrungen verweisen oder einmal mehr persönliche Stärken nennen.