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Aachen: Wahre Klangwunder zum Auftakt zur Chorbiennale

Aachen : Wahre Klangwunder zum Auftakt zur Chorbiennale

Eine Schallplatte mit Pygmäen-Gesängen soll ihn zur Komposition von „Cry” 1977 angeregt haben. Auch wenn man nicht Fachmann für Pygmäen-Gesänge ist, wirkt diese Aussage des englischen Komponisten Giles Swayne nach dem Hören seines Werkes zum Auftakt der Aachener Chorbiennale in St. Paul durch den WDR- Rundfunkchor Köln unter der Leitung von Rupert Huber nachvollziehbar.

Denn so, wie Swayne diesen Pygmäen-Gesang charakterisiert, so klingt auch weitgehend seine Komposition.

Verfremdete Stimmen

„Cry” ist ein Vokalstück für 28 elektroakustisch verstärkte und teilweise verfremdete Singstimmen, in dem die Elektronik neben der rein vokalen Klangerzeugung eine ebenbürtige Rolle spielt. Lautsprecher sind im gesamten Kirchenraum verteilt, der Hörer ist von geheimnisvollen Klängen umgeben.

Swayne zeigt mit seinem siebenteiligen, auf den Schöpfungsakt der Erde bezogenen Werk exemplarisch auf, welche Möglichkeiten der Klangerzeugung die menschliche Stimme bietet und stellt sich damit in eine Reihe mit Komponisten wie Mauricio Kagel, Dieter Schnebel und György Ligeti. In dem ganzen, rund 80-minütigen Stück erscheint nur im letzten Abschnitt das Wort „anima”, ansonsten ist es textlos.

Faszinierende Klangbildungen aus Vokalen und klingenden Konsonanten, Schichtungen verschiedener Metren, Überlagerungen unterschiedlicher Klangebenen und elektronische Einspielungen von Naturlauten lassen buchstäblich einen Kosmos von sphärischen Klängen entstehen, aus denen sich, wie im ersten Teil, ein Gebäude aus Dreiklängen wie eine Kathedrale erhebt.

Hat der erste Teil, bestehend aus den ersten vier Nummern, eher den Charakter des Statischen, Meditativen, so sind die drei letzten Nummern, vor allem fünf und sechs, lebendig bis aufgewühlt, bis zum dynamisch bis ins Letzte ausgereizten Aufschrei. Die Nummer sieben, „Ruhe”, bringt noch einmal eine Zusammenfassung der höchst heterogenen Parameter.

Eine rundum bewundernswerte Leistung brachten die 28 Damen und Herren des WDR-Rundfunkchors Köln, die die höchst komplexen Partien mit ihren extremen stimmlichen Anforderungen souverän meisterten. Dabei mussten sie immer wieder ihre Einsatztöne von der Stimmgabel abnehmen. Das die Kirche St. Paul bis auf den letzten Platz füllende Auditorium zeigte sich höchst beeindruckt und spendete langen Applaus.

Zu Beginn der Veranstaltung hatte Kulturdezernent Wolfgang Rombey mit seinen Begrüßungsworten die Chorbiennale offiziell eröffnet.

Am Samstag, 25. Juni, 20.05 Uhr, wird das Konzert im WDR3-Hörfunk übertragen.