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Aachen: Vorweihnachtliche Freuden im Eurogress mit englischer Tradition

Aachen : Vorweihnachtliche Freuden im Eurogress mit englischer Tradition

Das Vorspiel zu „Hänsel und Gretel” zum Auftakt und den „Abendsegen” zum Abschluss. Die Ohrwürmer aus Humperdincks Märchenoper, die Generalmusikdirektor Marcus R. Bosch so sehr am Herzen liegen, scheinen sich in die Programmgestaltung des Weihnachtskonzerts „Gold und Silber” so fest einzubrennen, wie „Rule Britannia” in die „Night of the Proms”.

Auch sonst hat sich beim dritten Anlauf des äußerst beliebten Konzerts im wiederum voll besetzten Eurogress wenig geändert. Allenfalls die Akzente wurden etwas anders gesetzt. Die von Martin te Laak vorbildlich geführten Aachener und Overbacher Kammerchöre, denen im letzten Jahr eher dekorative als substantielle Aufgaben zukamen, rückten stärker in den Mittelpunkt. Und das mit vollem Recht.

Da ließen gleich zwei A-Cappella-Gesänge aufhorchen, eine extrem knifflige Bearbeitung von „Es ist ein Ros entsprungen” aus der Feder des schwedischen Komponisten Jan Sandström und ein nicht minder heikles, von te Laak persönlich angefertigtes Arrangement von „O come All Ye faithful”. Gesänge, die die Intonationsstabilität jedes Chores auf eine harte Probe stellen.

Zusammen mit dem Aachener Sinfonieorchester sowie den Solisten Michaela Maria Mayer (Sopran) und Martin Berner (Bariton) setzten die Chöre mit Ausschnitten aus Bachs „Magnificat” auch den festlichen Schlusspunkt des ersten Programmteils. Bosch sorgte mit zügigen Tempi und einer sehr flexiblen Phrasierung für vorweihnachtliche Freude.

„Very British” ging es nach der Pause zu mit Kompositionen und Arrangements von John Rutter. Zunächst das repräsentativ-bombastische „Gloria” mit starker Bläserbesetzung und dann vier subtil bearbeitete Weihnachtlieder in guter englischer Tradition. Ausschnitte aus Saint-Sa?ns´ Weihnachtsoratorium und die Überreichung der Silbernen Rose aus dem „Rosenkavalier” komplettierten den musikalischen Teil.

Drei Geschichten

Und dann war da noch Stargast Mathieu Carriére als Rezitator dreier Weihnachtsgeschichten am Werk. Leger, etwas kokett auf Konflikte mit seinem neuen Zahnersatz anspielend, startete er, anfänglich noch etwas lustlos, mit dem dänischen Märchen „In Hülle von Fülle”, eine reizvolle Geschichte um Bescheidenheit und Habgier.

Im „Tanz des Räubers Horrificus”, der als Schrecken der Wüste der Gottesmutter begegnet und von ihr als besänftigt wird, entfaltete er allmählich seine schauspielerischen Fähigkeiten, was sich nach Pause fortsetzte. Insofern führte Carriére die von seinen Vorgängern Mario Adorf und Sky du Mont gesetzten Maßstäbe recht würdig fort.

Vergessen werden darf nicht der einfühlsame, etwas geradlinige Beitrag der Solo-Oboistin Blanca Gleisner mit dem langsamen Satz aus Bachs Oboenkonzert F-Dur und das gemeinsame Liedersingen vor dem krönenden „Abendsegen”.