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Landgraaf: Von süßen Sugababes bis zu harten HipHoppern

Landgraaf : Von süßen Sugababes bis zu harten HipHoppern

Frank Bosman ist treuer Fan des Pinkpop-Festivals. Seit Jahren geht er hin: „Aber nur am Haupttag. Da drängeln sich die Stars richtig.”

Also ist der Niederländer entsprechend vorbereitet; sein Motto-T-Shirt spricht Bände: „Früher war ich schizophren. Heute sind wir geheilt”, ist da zu lesen. Irgendwie passend, denn wenn auf dem Megaland-Gelände in Landgraaf am Pfingstmontag auf drei Bühnen innerhalb von zwölf Stunden 16 Konzerte gefeiert werden, ist man schon mal innerlich zerrissen.

Lieber zu den Retrorockern von The Datsuns auf der Nordbühne oder doch lieber den melodiösen Rock des gebürtigen Niederländers Joost Zweegers von Novastar im Zelt hören? Die zurzeit heißeste Band überhaupt (wenn man den Fans und der sich mit Elogen überschlagenden Musikpresse glauben darf) Franz Ferdinand oder doch lieber die irischen Folkrocker The Thrills?

Das Spiel setzt sich den ganzen Tag fort, und wenn dann auch noch die Südbühne für die ganz großen Bands geöffnet ist und die Stars gerne mal den Auftritt verzögern, dann kommt der wahre Fan ganz schön ins Schleudern. Das strapazierte Wort von der „Qual der Wahl” erlangt wahre Bedeutung.

Als morgens um 11 die Lostprophets, Nu-Metal-Rocker aus Wales, die Camper in Landgraaf mit ihren Riffs wecken, sind sie noch ohne Konkurrenz. Auch die Kolleginnen von der Insel, die drei Mädels von den Sugababes haben die ungeteilte Aufmerksamkeit der rund 35.00 Besucher des dritten Pinkpop-Tages.

Wodka in der Küche

Keisha Buchanan, Mutya Buena und Heidi Range, die Ex-Sirene von Atomic Kitten, bespaßen mit einem Hit nach dem anderen die Menge, winken und zwinkern, wenn gerade die Kollegin den Sangespart hat, artig ihren Fans zu.

Danach wirds schwierig. Die schottische Band, die sich nach dem habsburgischen Erzherzog Franz Ferdinand nennt und sich laut Legende in einer Küche beim Streit um den Wodka gegründet hat, überzeugt Frank Bosman. „Tell her tonight”, „Love and destroy”, „Take me out” - die Gitarrenband reißt die Massen mit.

Das schaffen erst recht drei die MCs und Tänzer Will.I.Am, Apl.De.Ap und Taboo sowie Stacey „Fergie” Ferguson, bekannter unter ihrem Bandnamen Black Eyed Peas.

Alle Hits vom Megaseller „Elephunk” gibt es in der mitreißenden Mischung aus Funk, Soul, Jazz und extremem HipHop zu hören, viele spektakuläre Tanzeinlagen und provokante Posen zu sehen: BEP macht unheimlich viel Dampf und liefert eine großartige Show.

Bei „Shut up” singt sich Fergie beim Widergesang mit Will.I.Am in regelrechte Exstase, und „Where is the love?” lassen die Peas gleich komplett vom Publikum intonieren.

NERD, die sich um die Produzentenlegende The Neptunes herum gebildet hat, hat hingegen etwas Pech: Zwar sind die Fans angesichts ihrer funky Mischung aus R&B und HipHop zum Mitsingen aufgelegt, aber leider auch der Regen. Egal, das Trio lässt sich nicht lumpen.

Und als Lenny Kravitz die Südbühne betritt, bricht auch die Sonne wieder durch die dunklen Wolken, und das Gras duftet, während die Fans auf der Wiese vor der Bühne stehen und mitgrooven.