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Aachen/Mainz: Von Marie Curie zu den schwersten Elementen

Aachen/Mainz : Von Marie Curie zu den schwersten Elementen

Dass Wissenschaftler ihr Fach verstehen, versteht sich. Dass sie auch verständlich und unterhaltsam darüber erzählen, ist nicht jedem gegeben.

Am Dienstag, 31. August, kommt einer der ganz Großen seines Fachs nach Aachen und wird seine Zuhörer an einem „Jahrhundert Kern- und Radiochemie” teilhaben lassen. So kompliziert das Gebiet, so sicher darf man sein, dass Günter Herrmann einen spannenden Bogen von Marie Curie, der Entdeckerin der Radioaktivität (1898), über die sensationelle Entdeckung der Kernspaltung im Jahr 1938 bis zur Schaffung künstlicher Elemente schlagen wird.

Die Kernspaltung

An Letzterem war der nunmehr 78-jährige Professor für Kernchemie selbst maßgeblich beteiligt. 1925 im thüringischen Greiz geboren, ließ sich der Student der Mainzer Universität unmittelbar nach dem Krieg von Fritz Straßmann (1902 - 1980) für die Radiochemie begeistern. Den kennt außerhalb seines Fachs kaum einer, und selbst der berühmte Niels Bohr soll einmal zu ihm gesagt haben: „Wie, Sie gibt es wirklich? Ich dachte immer, Herr Hahn hätte Sie nur erfunden, um die Bürde dieser Entdeckung nicht allein tragen zu müssen.”

Straßmann nämlich ist (wie zuvor Lise Meitner) an den historischen Experimenten, die zur Kernspaltung führten, nicht weniger beteiligt als der dafür mit dem Nobelpreis gewürdigte Otto Hahn. „Er hat ganz entscheidende Sachen gemacht”, berichtet Herrmann, der übrigens von gleicher Bescheidenheit ist wie sein Lehrer.

Periodensystem ausgeweitet

Herrmann, der neben seiner langjährigen Professur in Mainz auch in den USA lehrte, leitete von 1970 bis 1990 eine Forschergruppe in Darmstadt, die in einem Beschleuniger superschwere Elemente jenseits der Ordnungszahl 92 künstlich herstellte. Auch dank der Tätigkeit dieser Gruppe ist das Periodensystem der Elemente inzwischen bei 112 angelangt.

Sein weltweites Renommee führte dazu, dass Herrmann 1988 als einer von bislang nur zwei Deutschen überhaupt mit dem Preis für Kernchemie der Amerikanischen Chemie-Gesellschaft ausgezeichnet wurde. Dass man auf die Nutzung der Radioaktivität auch zur Erzeugung von Energie nicht verzichten sollte, ist für Herrmann ebenso wenig eine Frage wie andererseits die Ablehnung von Atomwaffen. Als namhafte deutsche Wissenschaftler, darunter auch Otto Hahn, 1957 die „Göttinger Erklärung” gegen die Aufrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen unterzeichneten, „war ich noch zu jung. Aber die hätte ich natürlich auch unterschrieben”.

Während der Grundlagenforscher Günter Herrmann einen Gang durch die Geschichte seines Fachs macht, wird Gabriele Voigt, Professorin der Internationalen Atomenergiebehörde in Wien, in dem zweiten öffentlichen Vortrag die moderne „friedliche Nutzung von nuklearen Techniken” vorstellen. In der medizinischen Diagnostik und Therapie, in der Genforschung, in der Computertechnik und auch beim Handy.