1. Kultur

Aachen: Von erlesenem Geschmack

Aachen : Von erlesenem Geschmack

Als Quartettformation von außergewöhnlicher Homogenität und Ausgeglichenheit präsentierte sich das Vega Quartett im Aachener Krönungssaal.

Das Ensemble ist mit Wendy Yun Chen und Jessica Shuang Wu (Violine), Yinzi Kong (Viola) und Guang Wang (Violoncello) in einem Maße ausgeglichen besetzt, dass sich eine individuelle Tongebung nur in den unterschiedlichen klanglichen Lagen der Instrumente manifestiert.

Da Präzision des Zusammenspiels, Klangkultur, Sicherheit der Intonation und spieltechnische Perfektion über jeden Zweifel erhaben sind, entwickelt sich eine Eleganz der Interpretation, eine Oberflächenpolitur des Klangbildes, die ihresgleichen suchen.

Eine gewisse Glätte

Wolfgang Amadeus Mozarts Quartett Nr. 21 D-Dur erfährt durch die vier jungen Musiker eine schlackenlos-schöne Wiedergabe von erlesenem Geschmack, die allerdings den Eindruck einer gewissen Glätte nicht vermeiden kann. Das klangliche Zurücktreten der Primaria, die Aufwertung der Mittelstimmen, die sensible Phrasierung erscheinen vorbildlich. Und dennoch bleibt eine Reserve beim Hören dieser Interpretation.

Dimitrij Schostakowitschs Quar- tett Nr. 8 c-moll op. 110 ist ein in seiner abgründigen Traurigkeit unter die Haut gehendes Stück. Auch diese Wiedergabe zeichnet sich aus durch außergewöhnliche Klangqualität, durch spieltechnische Perfektion, durch klangliche Intensität, ohne jedoch in jene emotionalen Tiefenschichten vorzustoßen, die den Hörer unmittelbar anrühren.

In seinen letzten drei Streichquartetten setzt Ludwig van Beethoven jede formale und satztechnische Konvention der Gattung außer Kraft und gelangt zu einer kompositorischen Konstruktivität, die weit über das Verständnis seiner Zeitgenossen hinausgeht und höchste Bewunderung hervorruft.

Die vier Musiker des Vega Quartetts fanden bei der Wiedergabe des cis-moll-Quartetts op. 131 eine vollendet erscheinende Balance zwischen formaler Strenge und Emotionalität der Aussage und hielten den Spannungsbogen der siebensätzigen, kaum durch Zäsuren markierten Anlage durch hohe Konzentration aufrecht.

Für den begeisterten Applaus des Publikums bedankten sie sich mit der Zugabe von Hugo Wolfs Italienischer Serenade.