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Aachen: Von der großen Arie zum flotten Swing

Aachen : Von der großen Arie zum flotten Swing

Leidenschaftlich, locker und lustig - die Kurpark Classix Aachen haben es in ihrer fünften Ausgabe erneut geschafft, ein musikalisch hochkarätiges und dabei wunderbar facettenreiches Programm anzubieten und mit über 11.000 Gästen in vier Veranstaltungen einen neuen Rekord aufzustellen.

„Das Konzept hat sich bewährt, was wir zu Anfang hofften, ist lebendige Realität geworden”, freute sich am Montag Veranstalter Christian Mourad über die gelungene Kooperation mit dem Theater Aachen. Ohne das Sinfonieorchester unter Generalmusikdirektor Marcus R. Bosch, zugleich musikalischer Leiter der Kurpark Classix, ist ein solches Festival auf der Open-Air-Bühne nicht denkbar.

Charmant geplaudert

Ungemein berührend schon der Auftakt: „A Night at the Opera” mit Opernchor und Sinfonischem Chor zog die Zuschauer mit magischer Kraft hinein in einen Kosmos aus Liebesleid und Liebesfreud. Bosch persönlich führte als charmanter Plauderer durch ein Programm, für das er mit dem Vorspiel zu Richard Wagners „Tristan und Isolde” mutig einen stillen, ergreifenden Auftakt gewählt hatte.

Festlich und volltönend, filigran und mit leidenschaftlichem Feuer gestalteten die drei Sopranistinnen Irina Popova, Jelena Rakic und Katharina Hagopian sowie ihre Sänger-Kollegen Yikun Chung und Hrólfur Saemundsson ein Kaleidoskop der schönsten Arien, wobei die drei Damen besonders in der - ausnahmsweise für drei Stimmen arrangierten - Arie „Meine Lippen, die Küssen so heiß” („Giuditta”, Franz Lehár) ihre sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten ausspielen konnten.

Tenorale Brillanz bei Yikun Chung, funkelnder Witz und Kraft bei Saemundsson - das Publikum staunte mit jedem Stück des Abends neu. Überrascht und erfreut waren die Leser des Programmheftes: „Eine Weltpremiere”, meinte Bosch mit sichtlichem Vergnügen. „Das erste Programmheft, in dem auch schon die Zugaben stehen.”

Ein kleines Missgeschick des Veranstalters, das allerdings für allgemeine Begeisterung sorgte, denn so konnte man ein ungewöhnliches und betörend schönes Orchesterstück wie „Danzon Nr. 2” von Arturo Márquez sofort dem richtigen Komponisten zuordnen. Geschickt schlug Bosch den Bogen vom klassischen Part zu Leonard Bernstein und Cole Porter, zu „Candide”, „West Side Story” und „Kiss me Kate” mit einem kleinen Ausflug zum süßen Schmelz der Operette („Dein ist mein ganzes Herz” und mehr). Gut vorbereitet durch Chordirektor Andreas Klippert, sorgten Opernchor und Sinfonischer Chor für das perfekte Opernerlebnis.

Eine runde Sache war gleichfalls der Crossoverabend mit einem swingenden, tanzenden und vor allem von dieser erstmaligen Zusammenarbeit schwärmenden Roger Cicero. Der smarte Künstler - Markenzeichen kleiner Hut - wurde von einer jubelnden Fangemeinde gefeiert und lieferte den über 3850 Zuschauern (mehr als beim Konzert von Chris de Burgh) einen Abend, der vielschichtiger kaum sein konnte.

Im schwarzglänzenden Anzug bewies Cicero, wie gut er sich auf Swing und Jazz versteht, wie ausdrucksstark er im Gesang ist und wie er seine musikalische Leidenschaft besonders in den Improvisationen auslebt. Natürlich gab es die typischen Roger-Cicero-Titel, ob nun „Männersachen” oder „Murphy’s Gesetz” - all das wurde fleißig mitgesungen, und so manche Dame hatte plötzlich heftiges Herzklopfen, als sich Cicero mal so eben ins Publikum begab und hier und da die Schönheiten mit einem „Ansingen” auszeichnete.

Perfekt im Big-Band-Sound, gut in Swing und Jazz, dabei stets zuverlässig in den Spezialarrangements: das Sinfonieorchester unter Marcus R. Bosch sowie Roger Ciceros Keyboarder /Pianist/Komponist Lutz Krajenski.

Die „Last Night” sorgte schließlich mit ihrer ernsten, virtuosen Prägung und einem noch immer konzentrierten Orchester unter Marcus R. Bosch für den richtigen Schlussakzent, der wiederum tief berührte.

Guy Braunstein ließ als souveräner Solist in Ludwig van Beethovens Violinkonzert D-Dur op. 61 alle Schönheit dieses Werkes aufleben, bevor Tschaikowskis Sinfonie Nr. 5 e-Moll op. 64 den Abend glanzvoll, leidenschaftlich und berauschend abschloss. Beim herrlich funkelnden Feuerwerk durfte man schon an die Kurpark Classix 2012 denken.