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Moers/Düsseldorf: Vom wilden Klang-Arnarchisten bis zur Opernsängerin

Moers/Düsseldorf : Vom wilden Klang-Arnarchisten bis zur Opernsängerin

Im Zeichen der musikalischen Gegensätze standen über die Pfingsttage das Moers Festival und die „Jazz Rally” in Düsseldorf. Während am Niederrhein die Liebhaber des Experimentellen auf ihre Kosten kamen, erwies sich die „16. Jazz Rally” mit ihrer populäreren Ausrichtung als Besuchermagnet.

Rund 300.000 Gäste kamen zu den etwa 80 Konzerten auf mehr als 35 Bühnen,. Zu den Höhepunkten zählten die Auftritte der „Fantastischen Vier”, die in einem Hangar am Düsseldorfer Flughafen vor rund 5000 Zuhörern spielten, von Klaus Doldingers „Passport” oder der Auftritt von Uwe Ochsenknecht und Jasmin Tabatabai.

Die 37. Auflage des Moers Festivals ist dagegen erneut eine Entdeckungsreise durch den unendlichen Klangkosmos der aktuellen und improvisierten Musik gewesen. 22 Bands mit rund 200 Künstlern präsentierten, was in den Klang-Laboratorien der Welt an Neuem und Ungewöhnlichen ausgetüftelt wurde.

Der Zusammenprall der Extreme war gewollt. „Manches trennte Welten. Erstaunlich war nicht nur, dass so etwas geht, sondern, dass es dem Publikum auch Spaß macht”, resümierte Festivalleiter Reiner Michalke, der wieder mit 20.000 Besucher kalkuliert hatte.

Als Galionsfigur für freie Ton-Kreationen stand in Moers der amerikanische Klang-Anarchist und Anti-Star John Zorn, der zum Auftakt am Freitag eines seiner seltenen Solokonzerte mit dem Altsaxofon gab. Zu den umjubelten Höhepunkten im Zirkuszelt im Schlosspark gehörten auch die Auftritte der Genre-Grenzen sprengenden Band „Battles” und der isländischen Samúel Jón Samúelsson Big Band.

Die 18 Musiker um den in Reykjavik lebenden Komponisten und Bandleader Samúelsson rissen mit ihrer unbändigen Spielfreude und Funk-Rhythmen die Zuschauer förmlich von den Sitzen. cht das letzte. Aus dem Norden Europas kam auch das Free Tallinn Trio.

In deren Mittelpunkt steht die ausgebildete Opernsängerin Anne-Liis Poll, die mit kongenialem Vocal Jazz, zu denen unkonventionelle Gurgellaute und Triller gehören, die freien Improvisationen ihrer Mitstreiter Anto Pett und Jaak Sooäär zu einem unerhörten Erlebnis machten. Die Hype-Band „Battles” scheinen mit ihren komplizierten und exakt berechneten Klangkonstruktionen stets mit einem Bein in der Zukunft zu stehen.

Es ist ein faszinierender Stilmix mit Techno-Beat-Strukturen, live produzierten Gitarren-Loops von Tyondai Braxton, dem Sohn des legendären Jazzers Anthony Braxton, sowie den von Schlagzeug-Berserker John Stanier angetriebenen atemberaubenden Tempi-Wechseln.

Das Konzert der „Battles” wurde danach von „Punkt” per Computer in einem Remixing-Verfahren aufbereitet und Grundlage des Auftritts. Für Free Jazz auf höchstem Niveau standen das Quartett des Trompeters Peter Evans und das „Frode Gjerstads Circulasione Orchestra” mit Musikern aus drei Generationen.