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Bonn: Vom Torso aus Jülich bis zum fränkischen Glas

Bonn : Vom Torso aus Jülich bis zum fränkischen Glas

Nach sechsjährigem Umbau präsentiert sich das Rheinische Landesmuseum in ganz neuem Glanz. Geschichte liegt hier direkt vor der Haustür.

Gründe, sich rheinisch zu fühlen, gibt es viele. Der Sitzungspräsident der Roten Funken aus Eschweiler hegt dieses Gefühl ebenso wie der Kölner Kabarettist Jürgen Becker - und wie der türkische Einwanderer Hüseyin Öztürk aus Düsseldorf.

Zentraler Ort

Nur eines fehlte ihnen bis jetzt: ein zentraler Ort, auf den sich dieses Gefühl des Rheinischseins beziehen konnte. Seit wenigen Tagen ist dem abgeholfen worden. Denn nach sechsjähriger Umbauphase ist es jetzt wieder eröffnet worden, das Rheinische Landesmuseum an der Colmantstraße auf der Rückseite des Bonner Hauptbahnhofes.

Es kommt einem Neubau gleich, was sich seit 1997 nach den Plänen des Stuttgarter Architekten Knut Lohrer in der einstigen Bundeshauptstadt vollzogen hat. Das von 1967 stammende Gebäude wurde im Inneren völlig entkernt und zur Straßenfront hin mit einem Mantel aus Stahl und Glas umgeben.

Ungehemmter Blick

Dieses neue, transparente Gewand treibt mit dem Haus ein Vexierspiel ohne große Umschweife: Indem der Blick des Passanten ungehemmt auf das Innere des Gebäudes fällt und dort den Publikumsbetrieb bemerkt, wird ihm sinnfällig und ohne Umschweife klar gemacht, dass er es mit einem Museum zu tun hat.

Und wie das Kreuz auf dem Turmhelm einer Kirche, so setzt hier ein monumentales Ausstellungsstück ein Zeichen: das Godesberger Hochkreuz, ein mehr als zehn Tonnen schweres Denkmal aus dem 14. Jahrhundert, das bis vor kurzem noch in der Nähe des Bonner Wissenschaftszentrums unweit der Bundeskunsthalle stand.

Wider die Köln-Zentrierung

Wer nun, so angelockt, den Weg in das Museum findet, sieht sich mit einem etwas ungewohnten Rheinland-Begriff konfrontiert: Er erblickt Exponate aus der Gegend von Mayen und dem Kreis Bad Kreuznach - kurzum: aus Gegenden, die er normalerweise nicht mit dem Rheinland in seiner volkstümlichen, Köln-zentrierten Bedeutung - verbindet.

Das hat damit zu tun, dass die Landesmuseen eine preußische Erfindung sind, deren Rheinprovinz ungleich größer war und unter anderem das Saarland und kleinere Teile Hessens umfasste, was noch heute seinen Niederschlag im Zuschnitt der rheinischen evangelischen Landeskirche findet.

Vertraute Ortsnamen

Dafür trifft der Besucher auf der Beschilderung der Ausstellungsstücke viele aus der Region zwischen Maas und Rhein vertraute Namen an. Der Torso einer Jupitersäule aus Jülich-Kirchberg, trüb-grünes fränkisches Glas und Keramik aus Weisweiler, die pünktlich zur Eröffnung zum „Fund des Monats” erklärt worden sind, und ein römisches Familiengrabmal aus Nickenich in der Eifel: Sie alle dokumentieren, dass die Geschichte direkt vor der Haustür beginnt.

Das Zuhausefühlen an der Colmantstraße fällt wirklich leicht. Nicht nur, weil es hier vertraute Ortsnamen gibt, auch nicht nur, weil die Farben, die für die einzelnen Abteilungen stehen, so sinnlich und satt sind, und auch nicht, weil Holzfiguren des Bildhauers Peter Nettesheim, die unter anderem Tünnes und Schääl, Karl Marx und Friedrich Engels oder Konrad Adenauer darstellen, so liebenswert sind - sondern vor allem, weil der Rundgang so spannend ist und der Gast dabei so viele interessante Informationen auftut.

Vitrinen im Erdgeschoss führen kernhaft in die Thematiken der Etagen darüber ein und bereiten das vor, was der Besucher im Weiteren vertiefen wird.