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Maastricht: Vom Steinzeit-Idol bis Picasso: 220 Händler bei Kunstmesse Maastricht

Maastricht : Vom Steinzeit-Idol bis Picasso: 220 Händler bei Kunstmesse Maastricht

Während ein scharfer Winterwind Deutschlands Kunstmessen-Szene mit allerlei Absagen, Verschiebungen und Personalquerelen gründlich durcheinandergewirbelt hat, blühen im nahen Maastricht die schönsten Blumen.

Zehntausende bunte Anemonen erwarten die Besucher der diesjährigen „European Fine Art Fair/TEFAF” in den Messehallen der niederländischen Stadt - und ein Spitzenangebot der Weltkunst aus rund 5000 Jahren. „Das hier ist das Olympia des internationalen Kunstmarktes” kommentiert ein selbstbewusster, junger Anbieter altasiatischer Kostbarkeiten, dem angesichts des Angebots der 220 Händler aus 15 Ländern kaum zu widersprechen ist.

Die Palette der seit Freitag (bis 16. März) ausgebreiteten Kostbarkeiten hat nach Veranstalter-Schätzung einen Gesamtwert von rund einer Milliarde Dollar. Sie reicht vom verblüffend „modernen” steinzeitlichen Kykladen-Idol über Malerei und Möbel des Barock bis zum Spätwerk Vincent van Goghs, von einer ganzen Koje voll exzellenter Max-Beckmann-Gemälde aller Schaffensperioden bis zum 8- Millionen-Frauenbildnis Picassos von 1954.

Frische erwarten die Messe-Verantwortlichen vom erstmals organisierten „Showcase” für sieben „junge” Galeristen, die aus 80 internationalen Bewerbungen ausgewählt worden sind und nun ein Angebot von der Avantgarde-Kunst bis zu afrikanischen Schnitzwerken zeigen. Ansonsten wie alljährlich durchweg gediegen sind die käuflichen Kostbarkeiten, die wohl wieder von gut 70 000 Kunstfreunden bestaunt und erworben werden. Über 300 Landungen von Sammler-Privatjets hatte 2007 der nahe Flugplatz als TEFAF-Rekord registriert.

Jean-Michel Basquiats gemaltes Großformat „Fools Fetish” (1984) mit dusterer Männerfigur und Graffiti-Symbolen für 4,6 Millionen Dollar wirkt neben einer holländischen Kommode von 1760 (450.000 Euro) allerdings fast aufmüpfig. Sehr speziell auch eine von Andy Warhol gestaltete Armbanduhr mit fünf Zifferblättern. Beinahe klassisch wirkt ein Holzhocker, den Christo schon 1963 in Plastikfolie eingewickelt hat.

Auf Freunde des kleinen Formats wartet die winzige, kubistische Picasso-Plastik „Frau mit erhobenen Armen” von 1961. Bei den Arbeiten auf Papier fallen Dürers tiefsinnige „Melancholie” (1514) und eine seit 150 Jahren im Privatbesitz „verborgene” Frauendarstellung Rembrandts (für gut 400.000 Euro) ins Auge.

Mit einer ganzen Reihe von Neuzuschreibungen altmeisterlicher Gemälde überrascht Maastricht allerdings in diesem Jahr. Ob dies im Zeichen immer schwieriger werdender „Schwarzgeldwäsche” auf der Suche nach „Werten” geschieht oder sich das Expertenwissen „in großen Sprüngen” entwickelt hat, wie ein international agierender Galerist erklärt, bleibt dahingestellt. Eine putzige „Angora-Katze” (um 1760), die seit kurzem vor allem der Hand des Franzosen Fragonard zugeschrieben wird, dem eine Maler-Kollegin geholfen hat, konnte dank neuester Expertise jedenfalls ihren Preis auf 1,5 Millionen Euro verdoppeln.

Das diesjährige Maastrichter Preis-Highlight dürfte van Goghs kurz vor seinem Freitod 1890 gemaltes „Kind mit Orange” für 30 Millionen Dollar sein. Das Gemälde aus Schweizer Privatbesitz soll über dem Sarg des aufgebahrten unglücklichen Malers gehangen haben. Eine äußerst rare Radierung zeigt van Gogh auf dem Totenbett und ist nach einer Zeichnung des Arztes Gachet entstanden, der den Künstler zuletzt betreut hat.

Nachdenklich stimmt auch ein hervorragendes Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren von 1530 - aber weniger wegen seines Preises von 4,25 Millionen Euro. Eine schöne „Phyllis” in rotem Samtrock reitet im Damensitz auf dem Rücken des graubärtigen Philosophen Aristoteles. Die spitzbübische Blondine demontiert damit schelmisch als Symbol der „Weiberlist” jedwedes Gerücht männlich-intellektueller Überheblichkeit.