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Würselene: Vom leidenschaftlichen Flamenco bis zu den Königen der Spielleute

Würselene : Vom leidenschaftlichen Flamenco bis zu den Königen der Spielleute

Bei der Freilichtbühne Burg Wilhelmstein in Würselen-Bardenberg ist der Frühjahrsputz in vollem Gange, denn bald startet man in die neue Festival-Saison.

Vom 23. Mai bis 6. September stehen zusammen mit Klassik-Sommer und Open-Air-Kino insgesamt 37 Veranstaltungen auf dem reichhaltigen Programm.

Den Autakt am 23. Mai, 20 Uhr, prägt eine ungewöhnliche Show: Unter dem Motto „Blind date” bieten die Organisatoren zu einem bewusst niedrigen Eintrittspreis einen Abend mit hochkarätigen Überraschungsgästen an, dessen Erlös der AZ-Aktion „Menschen helfen Menschen” zufließt.

Ob magischer Dudelsack-Klang, mittelalterlicher Kreuzfahrer oder geheimnisvoller Rhythmus der Meistertrommler aus Burundi, ob Flamenco, wie er authentischer und leidenschaftlicher kaum sein kann, oder starke Frauen wie Ute Lemper und Fado-Star Mariza - der Sommer auf der Open-Air-Bühne von Burg Wilhelmstein bietet auch in diesem Jahr wieder eine Fülle von neuen, aufregenden Begegnungen und zugleich das Wiedersehen mit den Stammgästen Konrad Beikircher, Hubert von Goisern, Götz Alsmann und vielen anderen.

Erneut präsentiert die Aachener Zeitung eine Saison der Organisatoren, an ihrer Spitze Ulrich Pesch von der Stadt Würselen und Hans Brings vom Verein jazz & more.

Bereits der Auftakt am 23. Mai, 20 Uhr, setzt Zeichen: Mit „Blind date” gibt es einen großen Abend der musikalischen Überraschungen, an dem man dem Publikum nicht nur mit einem niedrigen Eintrittspreis (Vorverkauf 9,90 Euro/Abendkasse 12 Euro) Appetit auf mehr machen möchte, sondern den Erlös der AZ-Aktion „Menschen helfen Menschen” zukommen lässt.

„Unser Ziel ist es, wunderbare Künstler aus dem deutsch-niederländischen Raum vorzustellen, aber in erster Linie wollen wir uns daran beteiligen, auf diese höchst wertvolle Aktion hinzuweisen und sie zu unterstützen”, verspricht Pesch.

Zwischen Pop und Jazz wird sich das vielschichtige Programm bewegen, erklärt der Organisator. Und alle machen mit - die Helfer verzichten auf ihren Stundenlohn, die Technik arbeitet kostenlos und sogar die Hotels stellen keine Rechnung aus.

Ein guter Auftakt für ein Programm, das erneut zu Reisen kreuz und quer durch die Welt einlädt - Weltmusik ist und bleibt ein besonderes Anliegen des Festivals auf Burg Wilhelmstein, das sich längst internationaler Anerkennung erfreut.

So kommt aus Spanien „Carmelilla Montoya y su grupo”, ein berühmter „Flamenco-Clan” Andalusiens (16. August), bei dem „Flamenco puro” nicht nur ein zugkräftiger Titel ist.

„Eine Zigeunerfamilie, deren Mitglieder weltweit zu den wichtigsten Künstlern des Flamenco gehören”, erzählt Pesch. Durch persönliche Kontakte gelang es, den Montoyas die Burg schmackhaft zu machen.

Die ersten Gäste aus Neuseeland sind „Moana & The Tribe” (2. Juli). Die schöne Sängerin mit den dunklen Locken und ihre Truppe verknüpfen uralte Maori-Kultur mit der westlich geprägten Gegenwart des Landes, Traditionsklänge des pazifischen Ozeans und Gesänge der Vorfahren mit Pop und Hip-Hop-Elementen.

Zur Musik kommt die Show: Tätowierte und traditionell gekleidete Haka-Tänzer werden zwischen den Burgmauern ihre Kunst zeigen. In die Ferne zieht es immer wieder den rockigen Hubert von Goisern.

Diesmal kommt er gemeinsam mit dem ägyptischen Star Mohamed Mounir (beide bringen eine Band mit) auf die Bühne. Mohamed Mounir und von Goisern -Êarabische Kurzhalslaute mit tiefem Wohlklang und steirischem Akkordeon - ein Zusammenklang, auf den man gespannt sein darf.

Die Entdeckungen haben ein Podium auf Burg Wilhelmstein. Zu ihnen gehört Mariza (17. Juni), die als neuer Star des Fado, dieses melancholisch-gefühlvollen Gesangs aus Portugal, gefeiert wird.

Die junge Sängerin wurde in Mozambique geboren und wuchs in Lissabon auf. „Mariza hat einen eigenen Weg gefunden, sie bringt auch Heiterkeit in den Fado, geht auf das Publikum zu”, verrät der Organisator.

Und es gibt noch mehr „starke Frauen” auf der Burg - zum Beispiel Ute Lemper & Trio, die ihr Programm „But one day” vorstellen. „Sie hat eine unglaubliche Bühnenpräsenz, eine faszinierende Künstlerin, die mich wirklich überrascht”, gesteht Pesch.

Oder Joy Denalane und ihr Acoustic Quartett. Mit weicher Soul-Stimme interpretiert die deutsch-südafrikanisch geprägte Sängerin warmherzige Texte, die sie meist selbst geschrieben hat.

Jung und schon sehr erfolgreich: Die drei flotten Sängerinnen Jule, Kati und eLa von „Wonderwall” (13. Juni), die in diesem Jahr den Musikpreis „Echo” erringen konnten.

Eine Entdeckung ist das Orchestra Baobab (30. Juli) aus dem Senegal. Vergleichbar mit den Kubanern des Buena Vista Social Clubs haben sich hier Musiker aus den „angesagten” Orchestern der 70er Jahre erneut getroffen, um die Musik aus Dakar zu spielen, die erst von dort nach Kuba ging und fortan als „kubanisch” gefeiert wurde.

Einer jungen Musikgeneration dieses Landes gehören zudem „Orishas” (19. Juni) an, die gern die Genre-Grenzen überschreiten, Tradition mit Rap, DJ-Scratching und Hip-Hop verknüpfen. Ihr Name ist Signal, denn unter „Orishas” versteht man Gottheiten des westafrikanischen Yoruba-Kultes, der erst mit dem Sklavenhandel Kuba erreichte.

Zum Burg-Sommer gehören gleichzeitig Kabarett-Größen wie Jürgen Becker & Didi Jünemann (10. Juli), Konrad Beikircher (28. August „Und sonst?”, 29. August, „Ciao Ciao Bambina”) oder Cordula Stratmann (5. Juni), als „Dauerbrenner” aus Köln die Bläck Fööss (20. Juli) und Gerd Köster mit „The Piano Has Been Drinking - Krätzje & Diversestes” (5. September) sowie Super-Gitarrist Ritchie Blackmore (4. Juli), einst Mitglied von Deep-Purple.

Auf jeden Fall wird kräftig getrommelt - bei „Corvus Corax”, den „Königen der Spielleute”, und bei den „Master Drummers Of Burundi” (15. Juli), die eines der besten Tanz und Musik-Spektakel bieten.

Für sie alle wird das Mauerwerk des mächtigen Bergfrieds von Burg Wilhelmstein eine wirkungsvolle Kulisse bieten.