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Geilenkirchen: Vom Kalten Krieg zu zivilen Einsätzen

Geilenkirchen : Vom Kalten Krieg zu zivilen Einsätzen

Das ist einmalig in der Geschichte des Nato-Flughafens in Geilenkirchen: 100.000 Menschen werden am 16. und 17. Juni auf dem sonst abgeschirmten Stützpunkt der Awacs-Frühwarnflotte bei Aachen erwartet. Der im deutsch-niederländischen Grenzgebiet stationierte Einsatzverband wird 25 Jahre alt.

Er feiert das mit einer Art Volksfest und einer großen Flugzeugschau. Diese zivile Ausnahmesituation zeugt von relativer Entspannung. Davon war der Stützpunkt nach den Terroranschlägen von New York und Washington 2001 zeitweise meilenweit entfernt.

Mit Autoschikanen und schwer bewaffneten Soldaten waren die Tore gesichert, als die Nato kurz danach zum ersten Mal in ihrer Geschichte den „Bündnisfall” erklärt hatte. Die Terroranschläge wurden als Angriff auf das gesamte Bündnis gewertet.

Das hatte unmittelbare Folgen für den Einsatzverband in Geilenkirchen. Die Awacs-Maschinen des einzigen multinationalen Nato-Geschwaders übernahmen die Kontrolle des nordamerikanischen Luftraums. Sie schlossen die Lücke, die mit der Verlegung der amerikanischen Maschinen in den Mittleren Osten gerissen wurde. Die Sicherheitsmaßnahmen am deutschen Heimatstützpunkt zogen daraufhin deutlich an.

Mit ihrem pilzköpfigen Radaraufbau können die Awacs-Maschinen der Frühwarnflotte Flugzeuge, Schiffe und andere Objekte im Umkreis von mehr als 400 Kilometern orten. Die Beschaffung des Systems wurde 1978 beschlossen, um die Fähigkeit der Luftverteidigung gegen den Warschauer Pakt zu verbessern. Die Flotte besteht aus zwei Einsatzverbänden mit sieben Awacs-Flugzeugen in Waddington (Großbritannien) und mit 17 Maschinen in Geilenkirchen, wo im Februar 1982 das erste Aufklärungsflugzeug landete.

Die Rolle der Awacs-Maschinen veränderte sich in den neunziger Jahren mit dem Ende des Kalten Krieges. Die Einsätze nach den Terroranschlägen markierten eine neue Phase begleitet von zum Teil heftigen innenpolitischen Diskussionen. Die deutsche Beteiligung bei den Aufklärungsflügen zum Schutz der Türkei beim Irak-Krieg entwickelte sich 2003 zum innenpolitischen Zündstoff.

Strittig war, ob der Einsatz einen offensiven oder defensiven Charakter habe. Es tauchte die Frage auf, ob die damals rot-grüne Regierung in den Zwiespalt von Nato-Bündnispflichten und friedenspolitischen Festlegungen gerate. Die Bundesregierung drohte, im Falle des Kriegseintritts der Türkei deutsche Soldaten abzuziehen. Ohne die deutsche Besatzung wären die Flugzeuge mit dem markanten Radarpilz nicht einsatzfähig gewesen.

Der Stützpunkt in Geilenkirchen ist im Vorfeld des Geburtstags an diesem Wochenende um Festtagsstimmung bemüht. „Wir waren 25 Jahre erfolgreich und das ist ein Grund für uns, mit den Menschen zu feiern”, hatte der Kommandeur Stephen Schmidt bei der Enthüllung eines für das Jubiläum eigens gestalteten Awacs-Flugzeugs gesagt. Gerne erinnert man in diesen Tagen an die in der Öffentlichkeit unstrittigen zivilen Einsätze wie 2004 bei den Olympischen Spielen in Griechenland oder beim deutschen „Fußball-Sommermärchen” im vergangenen Jahr.

Beim festlichen Gala-Diner an diesem Freitag bleiben militärische Vertreter wahrscheinlich weitgehend unter sich. Nach Angaben einer Sprecherin des Stützpunktes nehmen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Verteidigungsminister Franz Josef Jung (beide CDU) nicht teil. Vertreter der nordrhein-westfälischen Landesregierung hätten wegen eines anderen Termins abgesagt.

Die Bürgermeisterin der kleinen niederländischen Nachbargemeinde Onderbanken, Mirjam Clermonts-Aretz, wird zu den Feierlichkeiten kommen „um der guten Nachbarschaft Willen”, wie eine Sprecherin der Gemeinde sagte. Seit Jahren gibt es massiven Streit um den Fluglärm von der Air-Base. Aber der soll dieses Wochenende einmal keine Rolle spielen.