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Aachen: Vom Behördendschungel zum Computeramt

Aachen : Vom Behördendschungel zum Computeramt

Die Euregio-Maas-Rhein ist Modellregion für eine Forschungsstudie, die im Rahmen eines EU-Projektes den grenzüberschreitenden Urkunden- und Datenaustausch zwischen Kommunen und Behörden untersucht.

Derlei Verwaltungsvorgänge passieren etwa, wenn Deutsche in Belgien Häuser kaufen und dorthin umziehen oder ein Niederländer in Deutschland arbeitet. Thomas Fiedler, Projektmanager EU-Programme der Stadt Aachen, glaubt, dass die „Mobilitätsstudie” dereinst die Basis für den Aufbau eines europaweiten „eGovernment” sein könnte.

Für den 53-Jährigen ist die Euregio „ein Europa im Kleinen”, ein gutes Testfeld für die Studie. „Wir liefern die Basis für alle grenzüberschreitenden Regionen der EU”, sagt Fiedler. Und derer gibt es viele in den 25 Staaten der Europäischen Union. Indes glaubt der Projektmanager, dass sich Ergebnisse auch übertragen lassen auf Staaten ohne gemeinsame Grenzen, wie Deutschland und Italien. Wenn Europa zusammenwachsen soll, müsse es im wachsenden Bereich des „eGovernment” einheitliche Standards geben.

Zum „eGovernment” gehört der Datenaustausch zwischen Bürgern und Behörden. Dieser geschieht etwa dann, wenn Menschen ihre Steuererklärung am heimischen Computer erledigen und die Daten via Internet an das Finanzamt senden. In manchen Kommunen kann man sich auch schon, ohne eine Amtsstube zu betreten, bei einem Wohnungsumzug via Internet ummelden, einen Ausweis oder Baugenehmigungen beantragen. Verkürzen, beschleunigen und günstiger machen soll „eGovernment” den Weg zwischen Amt und Wohnzimmer.

„Was passiert aber mit nationalen Standards”, fragt Fiedler, „wenn man grenzübergreifend arbeiten will? Das ist die Schnittstelle, wo es für uns interessant wird”. Denn bevor man EU-Standards skizzieren, einheitliche und sichere Software sowie ein System schaffen könne, benötige man Informationen über den bestehenden Austausch von Daten. Grenzgänger müssten ja auch ihre Behördengänge erledigen. Lebe etwa eine deutsche Familie in Vaals, das Kind besuche eine Schule in Aachen und der Vater arbeite in Düren, dann müssten Dokumente und Urkunden eines Staates den unterschiedlichsten Behörden des anderen vorgelegt werden.

Urkunde ohne Siegel?

Um sich einen Überblick über die Fallhäufigkeit zu verschaffen, hatte die EU-Kommission die französisch-belgische Firma „Valoris” mit einer „Mobilitätsstudie” beauftragt. Großstädte der Euregio, aber auch Grenzgemeinden wie Kelmis, Raeren und Vaals liefern nun Informationen zu grenzübergreifenden Behördenkontakten. Noch, sagt Fiedler, komme man sich hier vor wie „in einem Dschungel”. Es gebe unterschiedliche politische und gesellschaftliche Vorstellungen, Gesetze und Vorschriften. In Deutschland lägen etwa die Meldedaten der Bürger bei den Kommunen, in Belgien beim Zentralregister in Brüssel. Hier müssten Standards und Schnittstellen gefunden werden.

Die Ergebnisse der laufenden Studie sollen beim Aufbau eines grenzübergreifenden „eGovernment” helfen. „Wäre es nicht einfacher, zukünftig durch einen Beamten etwa eine Geburtsurkunde per Knopfdruck auf dem Computer aufzurufen und zertifiziert auszudrucken, statt an Siegel, Stempel und Unterschriften festzuhalten?” fragt Fiedler. Aber selbst für deutsche Amtsstuben klingt das, was die EU umsetzen will, noch wie Zukunftsmusik. Sollte sie indes dereinst ihr Vorhaben in einer Modellregion erproben, hofft Fiedler, dass auch das Pilotprojekt in der Euregio angesiedelt wird.