Aachen: Voller emotionaler Ehrlichkeit: Samuel Schürmann begeistert in Aachen

Aachen : Voller emotionaler Ehrlichkeit: Samuel Schürmann begeistert in Aachen

Mit Aachen verbindet Samuel Schürmann eine besondere Beziehung. Nach 60 Vorstellungen als Zaza in „La Cage aux Folles“ am Grenzlandtheater und der Auszeichnung mit dem Kurt-Sieder-Preis kommt der gebürtige Detmolder und Wahlberliner stets gern in den westlichen Zipfel der Republik zurück. Dieses Mal hatte er ein Experiment vor: endlich eigene Lieder singen.

Schlagzeuger Steffen Thormählen hatte Schürmann schon vor vier Jahren dazu aufgefordert, sein überbordendes musikalisches Talent in eigene Songs einfließen zu lassen. Doch Schürmann spürte keinen inneren Drang. „Da kam einfach nichts, kein Text, keine Musik“, erzählt er freimütig dem Publikum in der rappelvollen Aachener Klangbrücke. Im vergangenen Jahr kam dann doch etwas. „Es floss so aus mir raus.“ Sechs eigene Lieder präsentierte er nun in einer zweieinhalbstündigen, launigen Zeitreise durch seinen musikalischen Werdegang.

Seine erste Liebe galt alten Chansons — ein augenzwinkender Auftakt mit Georg Kreisler und Friedrich Hollaender. Musicalmelodien bestimmen seit der Ausbildung zum Musicaldarsteller in Berlin sein Leben. In den vergangenen 20 Jahren stand er in der „West Side Story“ auf beiden Seiten, lieh dem Conferencier aus „Cabaret“ seine Stimme, bahnte dem in den USA hoch dekorierten, in Deutschland relativ unbekannten Musical-Komponisten Stephen Sondheim ein Stück des Weges. Zusammen mit Heribert Leuchter und der Band Swing.it, die während seines Engagements in Aachen kennenlernte, eroberte er den Jazz.

Als Tausendsassa nicht nur der verschiedenen Musikstile, sondern vor allem der stimmlichen Klangfarben und der emotionalen Ehrlichkeit begeisterte er das Aachener Publikum mit dem bunten Potpourri — zusammen mit seiner Band (neben Thormählen an den Drums und Jo Didderen am Bass begeisterte vor allem Jonathan Bratoëff an der Gitarre) und seinem Gast Heribert Leuchter (Saxofon). Er selbst saß überwiegend am Flügel. Eine Perle des Abends: „Nichts berührt mich“ aus „Cabaret“, bei dem Schürmann als verletzlich-trotziger Conferencier alle Facetten seines Bariton auslotete. Ein Gänsehautmoment.

Schürmanns eigene Lieder im zweiten Teil des Programms sind eine Quintessenz seines Schaffen. Jazz-Rhythmen („Ich bin da“) finden sich genauso wie doppeldeutige Texte („Es macht mir gar nichts aus“) und angenehme Melodien. Stets voller Herz.

Am Ende hat sich Schürmann den Daumen blutig gespielt und das Publikum restlos begeistert. Dafür brauchte es auch die spezielle Zugabe für Aachen — „Ich bin, was ich bin“ aus „La Cage aux Folles“ — eigentlich nicht mehr.

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