Aachen: Volkwin Marg plädiert in Aachen für eine einheitliche Architektur

Aachen: Volkwin Marg plädiert in Aachen für eine einheitliche Architektur

Wie amüsant und aufschlussreich es sein kann, wenn große Sachkenntnis auf dezidierte Meinungsfreude trifft, das demonstrierte jetzt eindrucksvoll Volkwin Marg im Rahmen der Leonardo Lectures in einem übervollen Hörsaal des RWTH-Hauptgebäudes. Der Hamburger Architekt, lange Jahre Inhaber des Lehrstuhls für Stadtbereichsplanung und Werklehre in Aachen, hatte sich ein Plädoyer für die Einheit von Konstruktion und Entwurf, von Bauingenieurwissenschaft und Architektur, letztlich also für das Baumeisterliche vorgenommen.

Er würzte dies mit lustvollem Spott über Bauten, die diese Einheit vernachlässigten: beispielhaft der Neubau der Sendezentrale des chinesischen Staatsfernsehens in Peking, entworfen von Rem Koolhaas und dem Deutschen Ole Scheeren (Marg: „Der Beweis, dass man Irrsinn auch bauen kann“), oder Peter Cooks Kunsthaus in Graz („Architektur um ihrer selbst willen“). Hier fehlt ihm die „Synthese der Ästhetik von Funktion, Konstruktion und Deutung“.

Es geht auch anders. Dass Marg bei der Beschreibung dessen vor allem Entwürfe seines eigenen Büros zu Rate zog, darf nicht als Ausdruck einer übersteigerten Eitelkeit missverstanden werden. Der 77-Jährige steht einfach mit allem für das, was er gebaut hat (oder gerne gebaut hätte). Dass dies in einem hohen Maße Fußballstadien sind, ist kein Zufall. Für Marg sind diese Arenen „die heutigen Kathedralen einer hedonistischen Konsumgesellschaft“.

So ist es nicht verwunderlich, dass er als Paradebeispiel für eine in seinem Sinne gelungene Architektur das federführend von Günter Behnisch und Frei Otto entworfene Münchner Olympiastadion geradezu in den Himmel lobte. Hier — und in Kombination mit Günther Grzimeks Landschaftsplanung und Otl Aichers radikal reduzierten Piktogrammen — sieht Marg Funktion, Konstruktion und Deutung in perfektem Einklang.

Das ist Baumeistertum in einer Ausprägung, die fast klassisch zu nennen ist. Dass dies eine Ausbildung erfordere, die heute nicht mehr anzutreffen ist, weiß Marg nur zu gut. Er selbst habe in seinem Studium noch Vorlesungen in Musik gehört, sagte er. Denn „ohne Bildung kann man nicht entwerfen, mit Ausbildung gerade noch konstruieren“.

(hjd)
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