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Würselen: Volksgut im jazzigen Gewand auf der Burg

Würselen : Volksgut im jazzigen Gewand auf der Burg

Auf der Bühne von Burg Wilhelmstein lebte Loriots Jodelschule wieder auf.

Aber ach, das rheinische Publikum kam nicht recht mit, als Alpenrocker Hubert von Goisern sich anschickte, den Westzipflern die alten Verständigungslaute seiner Heimat näher zu bringen. Auf sein launiges „Holeradiridiridirida” kam nur ein mageres Echo zurück.

Doch trotz dieses „Flops” wars vor ausverkauftem Haus ein herrlicher Abend. Man muss ja nicht alles verstehen, was der Österreicher von sich gibt.

Wenn der Goiserer in seiner unnachahmlich lässigen Art seine Gschichtn erzählt, wünscht man sich manchmal Untertitel, und von den Songtexten begreift man eh nur einen Teil - was nicht schlimm ist, weil sie laut Hubert oft genug gar keinen rechten Sinn ergeben, „denn der Autor hat wahrscheinlich beim Verfassen unter Drogen gestanden”.

Mit solcherart ironischer Distanz, aber durchaus respektvoll nähert sich von Goisern auf seiner aktuellen Tour „Trad II” den alten Volksliedern aus dem Salzkammergut an. Seine Interpretation hat freilich nichts zu tun mit dem tumben Gedudel irgendwelcher Musikantenstadl.

Markante Wendung

Die Stücke beginnen häufig ganz traditionell, fast wie bei den Schuhplattlern in der Almhütte. Doch dann nehmen sie eine markante Wendung, mündet das „Jägerspottlied” oder die 84 Jahre alte Jodelweise in ein rasantes Gitarrensolo, einen kräftigen Groove, unterlegt von unruhig-jazzigen Drums.

Brillant, wie das alte Volksgut, in dem von Goisern einen wichtigen Kern für alle Musik erkennt, verschmilzt mit rockigen Elementen, mit einem Hauch Afropop oder orientalischen Motiven.

Multi-Instrumentalist von Goisern beeindruckt dabei vor allem an der „Steirischen”, einer Ziehharmonika, der er in einem bisweilen wahnwitzigen Tempo die tollsten Rhythmen und Töne entlockt und dabei noch ausgelassen über die Bühne hüpft. Nur die Hälfte wert wären seine Künste allerdings ohne die durchweg exzellenten Mitstreiter.

Auffällig dabei vor allem die dezent anarchisch daherkommende Monika Drasch, eine begabte Geigerin, Klarinettistin, Dudelsackspielerin und Sängerin mit feuerrotem Schopf, die früher einmal beim „Bairisch-Diatonischen Jodelwahnsinn” für Furore gesorgt hat. Sensationell, wie sie mit von Goisern zu einem wilden Jodelduett mit versetzten Stimmen ansetzt und sich beide dabei ganz tief in die Augen sehen.

Klasse auch Max Lässer an den unterschiedlichsten Gitarren und Arnulf Lindner als einfühlsamer E- und Kontra-Bassist.

Nicht zu vergessen Bernd Bechtloff als singender Schlagwerker, der nie um eine neue Idee verlegen ist und seine Hände selbst über Keksdosen und Holzkisten fliegen lässt. Das ewig junge „Hiatamadl” gab es zum Schluss. Das stehend applaudierende Auditorium wollte seine Stars kaum von der Bühne lassen.