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Vier Gründe für eine Pleite

Vier Gründe für eine Pleite

München (an-o) - Auf der Videowand erscheint das Logo der Bewerbung von Düsseldorf Rhein-Ruhr. Und das so zuverlässige Lächeln gefriert im Gesicht des Düsseldorfer OB Joachim Erwin. Der olympische Traum ist im dritten Wahlgang bei der Versammlung des Nationalen Olympischen Komitees ausgeträumt.

Sieger der nationalen Bewerbung um die Olympischen Sommerspiele 2012 ist Leipzig, das sich im letzten Wahlgang mit 81:51 Stimmen gegen Hamburg durchsetzen konnte. Als Austragungsort für die Segelwettbewerbe schickt das NOK Rostock-Warnemünde ins Rennen.

"Ich konnte es nicht glauben", sagt Erwin. Alexander Leibkind, einer von zwei Geschäftsführern der Düsseldorf Rhein-Ruhr GmbH, erklärt: "Ich bin unheimlich enttäuscht. Es tut mir vor allem Leid für die Region, die fantastische Spiele geboten hätte."
Davon scheint die NOK-Versammlung nicht überzeugt zu sein. Beleg: Zwei Stimmen weniger im ersten Wahlgang, und Düsseldorf Rhein-Ruhr wäre sofort draußen gewesen. Die Bewerbungsstrategie ist offensichtlich gescheitert. Düsseldorf hat sich in mehreren Bereichen verkalkuliert.

Proteste heruntergespielt

Erstens: Düsseldorf Rhein-Ruhr schuf eine neue sportpolitische Großgemeinde aus 17 Städten und baute auf deren große sportliche Traditionen - auf Fußball im Revier, Reiten in Aachen, Hockey in Mönchengladbach, Kanu in Duisburg. Der Begriff dafür: "Wir sind eine Weltmetropole des Sports."
Schon die Bewertungskommission des NOK aber kam zu dem Schluss, dass die Entfernungen zwischen den Wettkampfstätten zu weit seien. Das NOK fürchtet darüber hinaus, dass der internationale Klang von Düsseldorf nicht einmal ausreicht, die Vorauswahl der fünf oder sechs Kandidaten im nächsten Jahr zu überstehen. Dass die Region insbesondere in der Frage der nachhaltigen Nutzung von Sportstätten große Vorteile für sich in Anspruch nehmen durfte, wurde offenbar nicht ausreichend gewürdigt.

Zweitens: Düsseldorf Rhein-Ruhr verstand die Benotung durch die Evaluierungskommission, die den nordrhein-westfälischen Bewerber auf Platz 4 setzte, lediglich als rechtzeitigen Schuss vor den Bug. Sie war mehr als das. Deutlich sichtbar daran, dass der Kommissionsvorsitzende Dieter Graf Landsberg-Velen buchstäblich bis zur letzten Minute am Samstag in München darauf hinwies: "Es ist unser dringender Wunsch, dass der vorliegende Evaluierungsbericht eingehend studiert wird." Korrekturen nach brieflichen Protesten aus Düsseldorf hatte der Graf in den vergangenen vier Wochen abgelehnt. Die NRW-Region scheiterte auch an dieser Form von Funktionärssturheit.

Drittens: Die Proteste im Düsseldorfer Stadtteil Lörick wurden heruntergespielt. Mit dem Hinweis auf das Werkstattverfahren ums Olympische Dorf und die vorbildliche Bürgerbeteiligung glaubten sich Minister Michael Vesper und OB Erwin auf der sicheren Seite. Die lautesten Gegner Olympias am Rhein aber hatten sie nicht zum Schweigen gebracht. Eine kleine Delegation sorgte noch am Vorabend der Wahl in München für Aufruhr in der Hotelhalle. Und es half dem Ansehen der Düsseldorfer im NOK offensichtlich nicht, dass Michael Zilles, der zweite Geschäftsführer der Rhein-Ruhr GmbH, erklärte: "Das ist keine Bürgerinitiative, sondern eine Anti-Olympia- und Anti-Düsseldorf-Bewegung." Sie war nun mal da.

Viertens: Düsseldorf Rhein-Ruhr vertraute auf seine gute Position in den Sportverbänden. Und es setzte auf die Überzeugungskraft des Oberhausener Funktionärs Uli Feldhoff. Der Vize-Präsident im Deutschen Sportbund (DSB) aber tappte ins Fettnäpfchen, als er öffentlich machte, was vor derartigen Entscheidungen Brauch ist. Am Abend vorher werde in Gesprächen eine gemeinsame Haltung und eine breite Mehrheit gefunden, hatte er erklärt.

Darauf reagierten vor allen die wütend, die das seit Jahren so praktizieren. Denn darüber spricht man nicht. Feldhoffs Feldzug am Freitagabend hatte auch deshalb nicht den gewünschten Erfolg. Die Verbandsfürsten murrten vernehmlich über den Kanu-Präsidenten. Und auch die stundenlangen Beschwichtigungsversuche der Olympiasiegerinnen Heide Ecker-Rosendahl und Isabell Werth liefen ins Leere. Als der Kongress an diesem Abend zu Bett ging, war die Entscheidung gefallen. Zumindest in dieser Hinsicht hatte Feldhoff Recht behalten.