Aachen: Verführerische Reise ins elisabethanische Zeitalter

Aachen : Verführerische Reise ins elisabethanische Zeitalter

Die kühne Geschichte um das androgyne Geschöpf Orlando, die Virginia Woolf ihrer Herzensfreundin Vita Sackville-West widmete, hat den Regisseur Boris von Poser schon lange gereizt. Jetzt hat er sein Projekt im Aachener Theater K mit drei ausgezeichneten Schauspielerinnen verwirklicht.

Mona Creutzer, Annette Schmidt und Eva Weissenböck - sie alle sind „Orlando”. Im Wechselspiel zwischen den Geschlechtern ist der junge Adelige zunächst ein dichtender Günstling am Hofe von Elisabeth I., der Tochter von Heinrich VIII. Aus dem überbordenden fantastischen Romanstoff, der 350 Jahre britischen Lebens in höheren Kreisen umfasst, wird im Theater K eine Soiree von insgesamt zweieinhalb Stunden.

Beginnend mit dem elisabethanischen Zeitalter und endend mit einem völlig anderen London, in dem 1928 bereits Flugzeuge Lärm machen, vollzieht sich eine Zeitreise besonderer Art. Im grauen Herren-Outfit überzeugt das Trio ebenso wie mit der plötzlich in Orlando erwachten Weiblichkeit, der vor allem Annette Schmidt verführerisch-komischen Ausdruck gibt.

Woolfs Sprache ist ironisch, klug, anspielungs- und kenntnisreich. In der Bühneninstallation (Andreas Gehlhaar) mit „Karussell” und tragbaren Kulissen ersteht ein verblüffendes Wechselspiel der Geschlechter, Verwandlungen, die den Schauspielerinnen viele Möglichkeiten bieten. Unverkrampft agiert Eva Weissenböck als Edelmann, der sich in die russische Prinzessin Sascha verliebt. Doch die ist untreu, später wirft sich eine rumänische Erzherzogin dem weiblichen Orlando an den Hals - aus Harriet wird ein Harry, köstlich von Mona Creutzer verkörpert. Während wiederum der männliche Orlando gerne die Schönen der Nacht aufsuchte.

Das Vexierspiel zwischen männlicher Macht und Ohnmacht und den feministischen Vorstellungen der berühmten englischen Autorin (1882-1941) ist hübsch anzuschauen, zuweilen aber auch etwas „sophisticated” wie die Briten sagen, wenn etwas (allzu) geistreich daherkommt. Und dann wirkt die Szenerie recht abgehoben, die kultivierten Dialoge werden zum abgehobenen „Kopfstück”. Am Schluss darf das Trio auch seine Sangeskünste unter Beweis stellen und erhält viel Beifall (Klavierimprovisationen: Ludger Singer, Kostüme Gabi Jacobi, musikalische Einstudierung Ulla Marks).

Weitere Vorstellungen von „Orlando” nach Virginia Woolfs Roman im Aachener Theater K, Ludwigsallee 139: 17. und 19. März, jeweils um 20 Uhr, 20. März (um 18 Uhr) sowie am 25. und 31. März, jeweils um 20 Uhr. Auch Aufführungen im April. Karten buchbar unter 0241/151155.