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Berlin: „Verehrt und verfemt - Chagall und Deutschland”

Berlin : „Verehrt und verfemt - Chagall und Deutschland”

Bisher in Deutschland noch nie gezeigte Werke des Malers Marc Chagall (1887-1985) sind von diesem Samstag an in einer Ausstellung in Berlin zu sehen.

Im Max-Liebermann-Haus am Brandenburger Tor zeigt die Stiftung Brandenburger Tor 140 Werke, die die Beziehung zwischen Chagall und Deutschland hinterfragen.

In der Schau „Verehrt und verfemt - Chagall und Deutschland” (bis 1. August) seien außerdem einige Arbeiten, die die Privatbesitzer erstmals überhaupt für eine Ausstellung zur Verfügung stellten, sagte Chagalls Enkelin Meret Meyer am heutigen Freitag in Berlin.

„Die Ausstellung ist für uns ein Hoffnungsträger”, erklärte die Chagall-Enkelin und Vize-Präsidentin des Comité Marc Chagall Paris. „Obwohl Chagall Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr betreten hat, traf er eine Entscheidung für die europäische Kunst”, sagte Meyer.

Die Ausdrucksmöglichkeiten der Kunst würden letztendlich obsiegen über die Grausamkeiten, die Menschen einander sich antun. Anders als oft dargestellt, sei Chagall ein durchaus politischer Künstler gewesen. Die ausgestellten Bilder zeigen unter anderem Chagalls Auseinandersetzung mit dem Holocaust in der Gestalt des leidenden, gekreuzigten Jesus, den er mit Gebetsschal und Gebetsriemen malte.

Die deutschen Kunstsammler seien von 1913 an die Entdecker von Chagall gewesen, sagte Ausstellungskuratorin Annette Weber vom Jüdischen Museum in Frankfurt am Main. 1922/1923 verbrachte der aus Witebsk in Weißrussland stammende Maler einige Monate in Berlin, wo er entscheidende Impulse für seine Arbeit als Grafiker erhielt.

Gleich nach dem Machtantritt der Nazis wurde Chagall dann als „entarteter” Künstler verfemt. 1938 wurden 59 seiner Werke aus öffentlichen Sammlungen beschlagnahmt, teilweise in der Ausstellung „Entartete Kunst” zur Schau gestellt und danach gegen Devisen ins Ausland verkauft.

Chagall konnte nach der Besetzung Frankreichs gerade noch 1941 in die USA fliehen. Nach dem Krieg seien Chagall-Ausstellungen sofort wieder ein riesiger Publikumserfolg gewesen, sagte Weber. Seit den 50er Jahren gelte er als einer der Lieblingsmaler der Deutschen.

„In Deutschland sind vor allem die Nachkriegsarbeiten Chagalls bekannt”, sagte der frühere Bundespräsident und Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung Brandenburger Tor, Roman Herzog.

„Die Ausstellung zeigt den jungen, auch noch lernenden Chagall.” Die bereits in Frankfurt am Main gezeigte Schau wurde für Berlin um einige Werke ergänzt.