1. Kultur

Köln: Unvergesslich gut: WDR-Sinfoniker bieten Mahler-Abend

Köln : Unvergesslich gut: WDR-Sinfoniker bieten Mahler-Abend

Als in den 60er Jahren der englische Musikwissenschaftler und Mahler-Experte Deryck Cooke daranging, die von Gustav Mahler bei seinem Tod hinterlassenen Particell-Skizzen zu seiner 10. Symphonie zu einer „Konzertfassung” zu ergänzen, gab es zunächst heftigen Widerspruch sowohl seitens Mahlers Witwe Alma als auch des großen Dirigenten Bruno Walter.

Aber Cooke ließ sich nicht beirren, seine nach jahrelanger Arbeit in mehreren Anläufen fertiggestellte Partitur setzte sich zu Recht durch und gehört heute fast zum Mahler-Repertoire.

Der bescheidene, 1975 verstorbene Cooke schenkte der Musikwelt ein ganz aus dem Geist Mahlers erwachsenes fünfsätziges Werk von gewaltiger Eindruckskraft, und niemand, der von den Hintergründen nichts weiß, würde erkennen, dass hier kein Originalwerk vorliegt.

Eliahu Inbal am Pult des WDR-Sinfonieorchesters stellte die „Zehnte” in der Kölner Philharmonie vor. Er, der sich während seines langjährigen Wirkens in Frankfurt als Mahler-Interpret von großer Kompetenz ausgewiesen hat, rückte in seiner Wiedergabe die zukunftweisenden Züge dieser Musik zu Recht in den Vordergrund: die formauflösenden Brüche, das Chaotische der beiden Scherzi, die alles andere als scherzhaft sind, die die Grenzen zur Ato- nalität überschreitenden harmonischen Härten, aber auch die verzehrende, inbrünstige Espressivität des Finales.

Der scharfgeschnittene „Mahler-Klang” wurde hier Ereignis, nicht minder der überbordende Ausdruckswille, hinter dem Verzweifelt-Persönliches steht.

Inbal führte die ihm mit äußerster Konzentration folgenden WDR-Sinfoniker unter Verzicht auf den Taktstock so suggestiv wie kapellmeisterlich-präzise.

Es währte lange, ehe nach dem Verklingen des Streicher-Finalgesangs des Schluss-Adagios der Beifall losbrach, der allerdings dann kein Ende nehmen wollte. Ein Mahler-Abend, den man so schnell nicht vergisst. Er dürfte auch den letzten Skeptiker von der künstlerischen Legitimität der Arbeit Cookes überzeugt haben.